Route Tag 10

Um 5 Uhr stehen wir auf; Frühstück gäbe es planmäßig um 6 Uhr, jedoch kommt die Bedienung erst 10 Minuten vor 6 und beginnt mit den Vorbereitungen, so dass wir erst gegen kurz vor halb 7 frühstücken können. Um 7 Uhr fahren wir dann ab.

Ritas Tagesmotto von heute lautet übrigens: „Reisen ist das beste Mittel gegen Vorurteile.“ Sehr passend, wie ich finde.

3000 der weltweit 5000 Kartoffelsorten kommen in Bolivien vor – die Kartoffeln sind teilweise knallrot oder schneeweiß, klein wie Kirschen oder groß wie Gemüsezwiebeln… Die Kartoffel wird hier sogar in Höhen über 4000 m Höhe angebaut. Die Bewässerungsschichten im Boden des Altiplano sorgen für ein Mikroklima, welches der Kartoffel sehr gut gefällt – was eben zu ihrer Verbreitung führte. Die Kartoffel war hier schon bekannt, noch bevor die Inkas nach Bolivien kamen.

Wir fahren an Oruro vorbei, einer total langweiligen, heruntergekommenen und hässlichen Stadt, in deren Nähe früher Zink abgebaut wurde. In den 80er Jahren ist der Zinkmarkt dann zusammengebrochen, und die Stadt verkam zusehends und ist nun nur noch trostlos – so trostlos, dass ich nur drei Fotos aus dem Bus gemacht habe…

Die Mittagspause verbringen wir am Lago Blanco zwischen Oruro und Potosi, in der Nähe von uns eine der hier fast allgegenwärtigen Lama- und Alpakaherden.
Der Fluss, neben dem wir nun herfahren, ist der Pilco Mayo, ein Nebenfluss des Paraguay, der hier entspringt und nach 2500 km nahe der paraguayischen Hauptstadt Asuncion in den Paraguay mündet. Dort wird uns der Pilco Mayo wieder begegnen.

Heute ist unser erster „Koffertag“, und wir packen unsere Drei-Tages-Tasche, die wir sogar gleich für 4 Tage bestücken müssen. Ich frage mich, was wohl passiert, wenn ich während dieser 4 Tage an meinen Koffer müsste – ob das wohl geht? Später zeigt sich: Fast jeden Tag muss irgendjemand an seinen Koffer. Und auch wenn Markus murrt und knurrt: Er oder Rita rücken den Schlüssel zum Gepäckfach eigentlich immer heraus. Da wir die Etappe nach Potosi, für die zwei Tage veranschlagt sind, schon in einem Tag geschafft haben, werden wir diesen gewonnenen Tag in Sucre verbringen und dort statt einer Nacht nun zwei Nächte im Hotel verbringen.

In Potosi angekommen, schlagen wir unser Lager auf dem Parkplatz eines Thermalbads auf, auf dem wir nun übernachten werden. Als ich in der Reisebeschreibung etwas von einem Thermalbad las, habe ich mich schon gefreut, und hatte ein Bad nach deutschem Vorbild vor Auge, oder ein Thermalbad wie in Marienbad in Tschechien.
Nun, diese Träume sind leider zerplatzt, denn dieses Thermalbad befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Die beiden Herrentoiletten, die wir nutzen dürfen, sind entweder kaputt oder verstopft. Leider schreckt das die Tagesgäste nicht ab, die Toiletten dennoch zu nutzen – entsprechend ist dort der Gestank. Die Thermalbäder sind spakig und gammelig, und auch wenn das Wasser wohl jeden Tag gewechselt wird: Ich möchte da nicht rein, und benutze auch die Dusche nur einmal im Notfall.

Potosi Rotel

Unser Rastplatz in Potosi: Der Parkplatz vor der Therme

Heute schlafen wir dann auch zum ersten mal in unserer Kabine. Ich habe die Kabine 6 oben, bin also ziemlich mittig im Anhänger untergebracht. Die Kabinen haben eine Breite von 62 cm, und eine Höhe von 82 cm. Sie haben an allen Ecken Haken und Ösen, so dass man seine Habseligkeiten in Beuteln unterbringen kann. Am Kopfende befindet sich ein kleines ca. DIN A 4 großes Fenster, was man öffnen kann, und vor dem ein Mückenschutz und ein Vorhang angebracht sind. Wir müssen immer darauf achten, dass bei Abfahrt sowohl Mückenschutz als auch Vorhang ordentlich hängen, und dass das Fenster geschlossen ist, damit der Anhänger einen ordentlichen Eindruck macht, und damit kein Schmutz in die Kabine kommt. Am Fußende befindet sich ein kleiner Vorhang für die Kabine, und ein dicker Filzvorhang, der über alle drei Kabinen von der Decke bis zum Boden reicht. In der Kabine liege ich überraschend gut: Ich muss mich zwar erst an die Breite gewöhnen, weil ich die Beine beim Schlafen nicht ganz anziehen kann, aber dennoch schlafe ich sehr gut in der Kabine. Auch von den Nachbarn bekomme ich nicht viel mit. Ich habe zwar reichlich Ohropax mitgenommen, brauche es aber trotz meines recht leichten Schlafs aber eigentlich nie. Ungewohnt ist der Ein- und Ausstieg. Um in die Kabine zu kommen, habe ich drei Trittstufen links und rechts der Kabine. Während das Einsteigen kaum ein Problem ist, ist das herauskommen doch erst mal etwas kniffelig, ohne das Gleichgewicht zu verlieren – insbesondere in der Nacht, wenn man noch verschlafen ist, und besonders leise raus möchte, um niemanden zu stören.
Obwohl der Hänger keine Heizung hat, zieht es nicht, und das Bett ist angenehm warm.
Vorteil ist, dass wir nur 22 Leute in der Reisegruppe sind. Wären wir ausgebucht, wären wir 34 Mitreisende, dann wäre das Gedrängel morgens und abends vor den Kabinen deutlich größer und das Nervpotential entsprechend ebenfalls mehr gegeben.

 

Zum Abendessen kocht Markus uns Nudelsuppe mit Wiener Würstchen – lecker und reichhaltig.

Sehr angenehm ist die Stimmung in unserer Gruppe. Wir haben die Biertischgarnituren vor den Anhänger gestellt, und haben uns noch lange nett und angenehm unterhalten.

Tag 11, 11. April 2010, Sonntag: Die Minen von Potosi