Heute bin ich kurz beim (sehr kargen) Frühstück mit Brot und Marmelade, werde aber an der Stadtrundführung und am Besuch der Stadthalle nicht teilnehmen, denn mich plagt Montezumas Rache heute ganz massiv: Ich habe ständig Durchfall, dazu Fieber und fühle mich katastrophal. Bis Mittag liege ich im Bett und döse vor mich hin, am Nachmittag fühle ich mich ein wenig besser, und gehe nach draußen. Ich sitze zwei Stunden auf dem Plaza Mayor auf einer Parkbank, lese und schaue dem bunten Treiben dort zu. Ein herrlich entspannter Nachmittag. Dann und wann kommt jemand vorbei und spricht mich an, da ich mit meiner Größe und meinem Aussehen aus jeder Pore als Tourist zu erkennen bin, aber mit meinem schlechten Spanisch ist jede Unterhaltung im Nu vorbei, und auch die meisten Schuhputzer bekommen schnell mit, dass mit mir kein Geschäft zu machen ist. Hier sind die Schuhputzer übrigens wieder unmaskiert unterwegs, aber auch hier meistens Kinder von vielleicht 12 oder 14 Jahren.

Dass ich den Stadtrundgang verpasst habe, ist nicht so tragisch, wie ich finde, denn die Stadt ist sehr überschaubar und auch alleine gut zu erkunden, und so langsam wiederholen sich die Kolonialbauten, so dass das Interesse daran langsam abebbt.

Sucre ist die konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien und Sitz des obersten Gerichtshofs. Die Stadt ist ist Hauptstadt des Departamento Chuquisaca und seit 1839 nach dem revolutionären Führer Antonio José de Sucre benannt. Sie wurde 1538 als „Ciudad de la Plata de la Nueva Toledo“ gegründet und hat heute ca. 300.000 Einwohner. 1898 wurde Sucre als Regierungssitz zu Gunsten von La Paz aufgegeben, da die benachbarte Stadt Potosi durch den zusammenbrechenden Silberabbau an Bedeutung verlor und die Verkehrsverbindungen sehr schlecht waren. Sucre liegt auf rund 2.800 m, hat ein sehr angenehmes, gemäßigtes Klima und gilt mit seinen reichen, gepflegten Plätzen und Parkanlagen als eine der schönsten Städte Südamerikas. Die Altstadt von Sucre ist wunderschön und zu Recht Weltkulturerbe der Unesco.

In der Apotheke kaufe ich mir einen Elektrolyt-Sirup und ein lösliches probiotisches Pulver gegen Durchfall. So richtig helfen tut beides aber nicht. Auch wenn ich mittags wieder fitter werde: der Durchfall bleibt mir auch mit den Lopedium-Tabletten aus Deutschland mehr oder weniger erhalten.

Der Folkloreabend ist großartig. Eigentlich ist heute geschlossene Gesellschaft, weil das Lokal, in dem der Abend stattfindet, heute den zweijährigen Geburtstag feiert und zu diesem Anlass Sponsoren, Freunde und Geschäftspartner eingeladen hat, Rita hat aber alle ihre Connections spielen lassen, und so durften wir ebenfalls an diesem Abend teilnehmen. Das Essen war hervorragend; es gab einen Rindfleischspieß mit Spinat, anschließend ein Steak mit Gemüse in einer Whisky-Sauce, außerdem wurden Freigetränke und kleine Häppchen verteilt. In der Show wurden traditionelle Tänze aus allen Regionen Boliviens gezeigt, dazu Videoaufnahmen aus Bolivien und viel Musik – ein sehr gelungener Abend.
Problematisch wird der Abend, als es an die Abrechnung geht, denn die Bewirtung hat alle Getränke auf einen Beleg geschrieben, und wir haben Probleme, das nun wieder auseinander zu dividieren. Ich schlage vor, einfach den Betrag durch die Anzahl der Teilnehmer zu teilen, aber habe nicht viel Hoffnung, dass dieser Vorschlag bei unseren Spezialisten Gehör findet, und so ist es dann auch: Jeder Posten auf der Rechnung wird einzeln durchgerechnet. Und als Dagmar herausfindet, dass sich die Bedienung in einem Punkt auch noch verrechnet hat, ist das Problem endgültig da, denn dann blockt sie total ab und will erst diesen Posten geklärt haben, bevor sie an weitere Zahlungen denkt. Da werden für diese Reise pro Person über 3.500 EUR ausgegeben; aber hier wird sich nun um jeden Cent gestritten und gegeizt. Auch Beate muss sparen: die Videoerlaubnis kostet 5 US-$, und auch das ist Beate zu viel, so dass sie die Kamera eingepackt lässt. Ich denke mir nichts dabei, und fotografiere und filme munter drauf los, weil ich einerseits bereit bin, das Geld zu zahlen, und andererseits aber auch vermute, dass heute eh nicht so genau darauf geachtet wird – und meine Vermutung bestätigt sich: an diesem Abend achtet keiner auf etwaige Fotoapparate, und so brauche ich später auch nichts zu zahlen.
Der Abend dauerte recht lang, und so waren wir erst gegen Mitternacht wieder im Hotel.

Tag 14, 14. April 2010, Mittwoch: Von Sucre zurück nach Potosi