Route Tag 19

Um 7.15 Uhr werden wir geweckt, Frühstück gibt’s ab 8 Uhr, und um 9.10 Uhr fahren wir dann los. Zum Frühstück gibt es heute einen Apfel und einen Joghurt.

Mit unserem „Lazarettbus“ fahren wir heute nach Cafayate.
Unsere beiden Spezis Paul und Jan haben sich gestern völlig daneben benommen… Paul war so besoffen, dass er mit dem Kopf auf dem Tisch einschlief, und Jan hat sich übergeben müssen und irgendwann begonnen, alte Landserlieder zu gröhlen – fürchterlich. Um den Pegel zu halten, gab es in den letzten Tagen entweder Dosenbier oder Wein, den sie direkt aus der Flasche und ohne den Umweg über ein Glas getrunken haben. Heute wurde das Programm umgestellt: Es gibt den Wein direkt aus dem Tetrapak. Es ist noch nicht mal 11:30 Uhr, da ist der Tetrapak schon leer – und das Bier, welches es zum Frühstück als Start in den Tag gab, natürlich auch. Ich bin nur froh, dass 6 Reihen zwischen mir und den beiden im Bus sind – würde ich in deren Nähe sitzen, wäre ich schon Amok gelaufen, glaube ich.

Das Wetter ist heute wieder bestens: sonnig und schon morgens um 11 Uhr über 20°.

Joachim: Ein Wiener, Anfang 60, ständig am (mit sich selbst) reden, und fast nur über seine und die Krankheiten anderer Leute sprechend.

Friedrich: Aus Stuttgart, früher selbständig gewesen; Besitzer des Haus der Mode. Recht nett, aber manchmal etwas polterig. So richtig kommen wir nicht zusammen auf eine Linie. Hat mit ROTEL schon mal eine Hotelreise gemacht, dieses ist aber seine erste Busreise mit ROTEL.

Victor und Dagmar: Dagmar ist dem Kaufrausch verfallen, kann an keinem der Souvenirstände vorbeigehen, ohne nicht mindestens eine Kleinigkeit zu erstehen. Beide nehmen die Sicherheitsvorkehrungen sehr ernst und sehen dadurch unfreiwillig komisch aus, wenn Victor den Rucksack vor der Brust trägt, oder, wenn sie mit wenig Gepäck unterwegs sind, entweder den knallroten oder den schreiend gelben Stoffbeutel mit Werbeaufdruck. Gerade damit fallen die beiden auf wie ein bunter Hund… Wenn sie nicht schon durch die typisch deutsche Kleidung (er mit Sandalen und Söckchen) auffallen.

Beate: Österreicherin, die zu jedem Thema etwas zu sagen hat, weil sie schon sonstwieweit gereist ist; „Ah, diesunddas hab ich auch schon gesehen, in Botswana, Namibia, Südafrika, Australien, und mindestens doppelt so schön/ groß/ toll wie hier.“ Ebenfalls ROTEL-Neuling, aber sicher kein Reise-Neuling!

Ein paar mal sind die Brücken zu schmal für den Bus, und wir müssen die Furten nehmen, die neben den Brücken für die LKW und Busse angelegt sind. Was würden wir hier machen, wenn nun Regenzeit wäre oder wenn es in den letzten Tagen stark geregnet hätte?
Die Vegetation wird wieder üppiger, woran man merkt, dass wir weiter an Höhe verlieren – es wachsen Bäume und Büsche, und wir fahren an riesigen Tabakplantagen vorbei.

Mittagessen gibt es in einem kleinen Restaurant mitten im Nichts, das sich auf Ziegen spezialisiert hat. Es gibt alles aus Ziegenmilch, Ziegenkäse und Ziegenfleisch – und für mich, da ich nichts von oder aus der Ziege mag, ein Wasser. Immerhin!

Neben uns können wir entfernt Alemania sehen, eine alte aufgelassene Bahnstation.

Alemania

Die ehemalige Bahnstation ‚Alemania‘

Direkt im Anschluss fahren wir in den Quebrada de Cafayate, ein wunderschönes Naturschutzgebiet, in dem die Felsformationen sagenhaft beeindruckend sind. Wir sehen Formationen wie den Teufelsschlund, den Mönch, den Frosch oder den Obelisken (26 Meter hoch, und ca. 20 Millionen Jahre alt) und die Fenster – alles aus Fels und Gestein.
Hier ist wieder deutlich weniger Vegetation, und die Temperaturen steigen hier auf um die 35 Grad bei strahlendem Sonnenschein.

Cafayate selbst hat um die 10.000 Einwohner und ist somit ein kleines verschlafenes Nest. Der Campingplatz selbst ist aber recht ordentlich und nur ca. 10 Minuten zu Fuß vom Plaza Mayor entfernt.

Zum Abendessen gibt es kalte Platte mit Nudelsuppe – recht lecker. Die Tabletten haben nun auch über Nacht angeschlagen, so dass ich der letzten Reste des Durchfalls ledig bin. Abends waren wir dann noch mit ein paar Leuten im Zentrum Cafayates unterwegs. Die Stadt scheint nur vom Tourismus zu leben, denn es gibt im Zentrum überall Souvenirshops und Restaurants. Ein kulinarisches Highlight gibt es noch in Cafayate: Eine Eisdiele, die Rotwein- und Weißweineis erfunden hat und seit mehreren Jahren anbietet. Die Eisdiele selbst sieht sehr rummelig aus und lebt nur von ihrem Ruhm, dieses Eis erfunden zu haben, was man an den ganzen Werbeaufklebern an der Außenseite der Diele sehen kann. Aber das Eis ist wirklich sehr lecker und empfehlenswert.

Tag 20, 20. April 2010, Dienstag: In das Tiefland nach Tucuman