Zum Frühstück wird im Flugzeug etwas Rührei mit gerösteten Kartoffel-Würfeln, Obst und einem Brötchen gereicht – sehr lecker. Um Punkt 5.10 Uhr morgens brasilianischer Zeit landen wir nach 12 Stunden Flug in Sao Paulo.

Die Hoffnung, hier die Transferzeit sinnvoll nutzen zu können, wird leider nicht erfüllt. Zunächst müssen wir durch ewig lange Gänge zum Transferbereich gehen, werden kurz vorher nochmal durchleuchtet, und die Thermosflasche wird inspiziert. Wir dürfen den Transitbereich natürlich nicht verlassen, und in diesem Bereich gibt es nur zwei Duty-Free-Shops, drei völlig überteuerte Imbisse und einen Buchladen, aber leider keinen Shop mit Zeitungen, keinen Bäcker, und auch keine Filiale der üblichen Fast-Food-Anbieter.

So bleibt nur, die Zeit auf den doch recht harten Bänken totzuschlagen, durch die Läden zu bummeln, und gelegentlich, wenn wir uns auf den Streifzügen durch die Geschäfte treffen, mit Thorsten zu plaudern.

Thorsten ist Anfang 50, und Sozialpädagoge aus der Nähe von Stuttgart. Er ist nach mir der jüngste allein reisende Mann in der Gruppe, und ich werde mit ihm zusammen die Doppelzimmer teilen. Wir verstehen uns auf Anhieb recht gut. Bei den Übernachtungen im Hotel werden wir in Doppelzimmern untergebracht, es sei denn, dass zuvor der Einzelzimmerzuschlag mitgebucht wurde. Die Verteilung erfolgte dann durch Rita. In Salta schlafen wir in Drei- und Vierbettzimmern. Dort werden wir die Zimmerverteilung selbst organsieren.

Das Boarding sollte zunächst an Gate 9 erfolgen, nur per Zufall haben wir dann mitbekommen, dass das Boarding auf Gate 4C, ein Stockwerk tiefer, erfolgt, denn die Lautsprecherdurchsagen waren sehr leise, auf Spanisch rasend schnell und auf englisch sehr gebrochen gesprochen, so dass wir sie nicht verstehen konnten, und Übersichtstafeln sind rar gesät. Tatsächlich war das Boarding dann an Gate 4B – willkommen in Südamerika!

Flug nach Lima

Über den Anden

Mit einem Airbus A320 fliegen wir um 8.25 Uhr, also nach mehr als 3 Stunden Wartezeit, weiter nach Lima. Zum zweiten Frühstück gibt es ein Schinken-Käse-Sandwich, Obst und ein Brötchen.
Während des Fluges fallen zwei Männer, die dem Dialekt nach wohl aus Bayern kommen, negativ auf, da sie schon vor dem Flug kräftig Alkohol getrunken haben, und sich, da sie nicht zusammensitzen, lautstark über mehrere Reihen unterhalten. Außerdem werden sie gegenüber dem Steward und gegenüber den anderen Mitreisenden ausfällig und pöbeln rum. Um Ihren Pegel zu halten, haben beide aber in einer Plastiktüte versteckt eine Flasche Alkohol mit an Bord genommen. Ich hoffe doch, dass die beiden nicht mit zu unserer Gruppe gehören?
Dennoch erreichen wir pünktlich um 11.55 Uhr Ortszeit, nach 5 Stunden und 30 Minuten Flug, Lima.

Ankunft in Lima

Ankunft in Lima

Flughafen von Lima

Flughafen von Lima

Nachdem wir unser Gepäck entgegengenommen haben, und die Einreiseformalitäten erledigten, treffen wir Rita, die mit einem großen ROTEL-Schild am Ausgang des Flughafens steht. Am Flughafen zeigt sie uns gleich, wo man Geld wechseln kann; ich tausche 15 US-$ in 41,50 Peruanische Soles (1 US-$ = 2,77 Sol). Wir müssen noch mehrere Minuten auf zwei Personen warten, die etwas länger für die Zoll- und Passkontrolle brauchen, und meine Befürchtungen wurden wahr: Es handelt sich hierbei um die beiden Schnapsdrosseln aus Bayern. Wenn das so weitergeht, wird die Reise ja sehr lustig werden…

Mit einem einheimischen Reisebus fahren wir durch die Vorstädte von Lima ins Stadtzentrum und zum Plaza San Martin, auf dem ein Reiterstandbild des gleichnamigen Generals steht.

Nach ein paar Minuten Fotostopp steigen wir wieder in den Bus ein, und müssen prompt wieder auf zwei Leute warten: Unsere beiden Bayern. Wie sich herausstellt, ist dem einen seine Fotokamera geklaut worden, die er in der nicht verschlossenen Fototasche herumgetragen hat. Nach einem kleinen Rempler war die Kamera dann weg. Rita kann nicht weiterhelfen, denn die beiden haben nichts gesehen und auch nicht wirklich was gemerkt, so dass das Einschalten der Polizei zwecklos wäre. Hildegard meinte nur trocken: „Nüchtern wäre denen das nicht passiert“. Wohl wahr…

Wir fahren also nun, um eine Kamera leichter, weiter zum zentralen Marktplatz von Lima, der Plaza Mayor mit der Kathedrale und dem bischöflichen Palast. Die Kathedrale wurde um 1555 erbaut, aber ihr jetziges Aussehen erhielt sie nach dem Erdbeben von 1746. Direkt neben der Kathedrale liegt der Erzbischöfliche Palast aus dem Jahr 1924, der dem spanischen Kolonialstil nachempfunden wurde.

An der Nordseite der Plaza Mayor befindet sich der Regierungspalast, Palacio de Gobierno, der Amts- und Wohnsitz des amtierenden Präsidenten ist, und 1939 erbaut wurde. Gegenüber der Kathedrale, auf der West-Seite des Platzes, wurde in den vierziger Jahren das Rathaus der Stadt, das Municipalidad, erbaut. Auf dem Plaza Mayor und in der Kathedrale wimmelt es von Menschen, die den Gottesdienst besuchen, auf dem Platz innehalten, oder einfach den Feiertag, es ist heute Karfreitag, genießen.

 

Die Karfreitagsprozession auf den Stadtberg von Lima

Wir sehen eine Prozession, die sich in der sengenden Nachmittagssonne den heiligen Berg Limas hochbewegt. Auf dem Weg zum Busparkplatz kommen wir noch an einigen Kirchen vorbei, die alle brechend voll sind, und vor denen oft von Jugendlichen und alten Frauen kleine zu Sträußen gebundene und mit Jesusfiguren verzierte Palmwedel für 2 bis 3 Sol verkaufen.

Eigentlich ist für heute noch ein Besuch im Museo de Oro, dem Goldmuseum von Lima geplant, aber dieses Museum ist Karfreitags geschlossen, und so besuchen wir stattdessen das Museum Rafael Larco Herrera, in dem über 50.000 Ausstellungsstücke aus der Inka- und Prä-Inka Zeit gezeigt werden, unter anderem zahlreiche Tongefäße, sowie Grabschmuck der Inkas.

Erstaunlich ist, dass Lima mit ca. 10 Mio. Einwohnern kein wirkliches ÖPNV-System hat, sondern dass alles mit kleinen meist privat betriebenen Bussen organisiert wird.

Da das in der Routenbeschreibung angegebene Hotel wegen der Karwoche ausgebucht ist, werden wir stattdessen im Hotel Carmel im Stadtteil Miraflores in Lima untergebracht. Thomas und mir wird ein Zimmer zugeteilt, und bis zum Ende der Reise werden wir nun die

Hotel Carmel in Lima

Hotel Carmel in Lima

Doppelzimmer miteinander teilen. Das Zimmer ist ganz ordentlich. Es ist sauber, mit einer Klimaanlage ausgestattet, und wir haben jeweils ein Queen-Size-Bett für uns.

Zum Abendessen gibt es als Vorspeise einen Salat, als Hauptgericht Gulasch mit Pommes Frites und Reis, und zum Nachtisch einen kleinen Obstsalat. Nach dem Essen gehen Thorsten, Paul, ein lustiger Rheinländer, sowie der aus Wien stammende Joachim, und ich Richtung Pazifik und haben nach 10 Minuten Fußweg einen herrlichen Blick über die Bucht.

Unsere beiden Bayerischen Spezies kamen übrigens nicht zum Abendessen, aber Rita hat ihnen einen Zettel unter der Zimmertür durchgeschoben, so dass die beiden wissen müssten, was Rita uns beim Essen mitteilte: Am nächsten Tag ist Wecken um 2.30 Uhr!

Um 22 Uhr gehen Thorsten und ich zu Bett, und ich schlafe nach der langen Anreise herrlich tief und fest.

Tag 3, 3. April 2010, Samstag: Weiter nach Cusco