Route Tag 22 und 23

Aufstehen ist heute um 6.30 Uhr angesagt, Frühstück gibt’s dann um 7 Uhr, und Abfahrt ist schon um 8 Uhr. Auch heute ist wieder ein langer Fahrtag angesetzt, denn wir wollen heute noch über die Grenze nach Paraguay.

Im Chaco wächst unter anderem auch die Carnauba-Palme, eine Wachs-Palme, aus der das Carnaubawachs gewonnen wird. Dieses Wachs dient unter anderem als Überzugmittel für Lebensmittel und für die kosmetische Industrie.

Während des argentinischen Bürgerkriegs hat eine Frau, Difunda Maria, mit ihrem Baby ihren Mann gesucht, und ist auf der Suche verdurstet und gestorben. Ihr Baby überlebte der Legende nach aber an ihrer Brust saugend. Daraufhin wurde sie zur Schutzpatronin und in den Schutzhütten der Patronin legen die Argentinier nun Wasserflaschen ab, bzw. nehmen sich dort bei Bedarf eine.
Außerdem sind über ganz Argentinien verteilt Denkmäler und kleine Schreine zum Andenken an den Gaucho Gil, dem Schutzpatron aller Gauchos, zu sehen. In diesen meist in feuerrot gehaltenen Denkmälern werden dem Gaucho Gil Gaben überbracht, um einerseits für Dinge zu danken, und andererseits, um für den Erfolg eines Vorhabens zu bitten.

Gegen 14.45 Uhr erreichen wir die Grenze nach Paraguay. Während wir hier an der Grenze warten, erzählt Jan von seinen „Errungenschaften“ während der Reise: In Cusco hat er eine Prostituierte für 5 EUR aufgetan, in Sucre waren es gleich zwei… Sein Plan für die Reise war, in jedem Land mindestens ein Abenteuer zu haben, und er meint, er wäre noch im Plan. Mir wird schlecht…
Die Grenzformalitäten dauern insgesamt etwa zwei Stunden. Ich tausche 15 US-$ in 65.000 Guayanos ein, ein Dollar ist somit 4300 Guayanos wert.

Laut Reiseverlauf sollen wir über die neue Brücke über den Pilco Mayo fahren und dort dann einreisen, aber da der Grenzübergang meist überlastet ist und die Formalitäten dort Stunden dauern, nehmen wir eine alte Fähre über den Fluss und einen kleinen Grenzübergang.
Auf der Fähre knüpft Erika Kontakt mit einem Einheimischen, der mit seinem Motorrad die Fähre nimmt. Er lässt sie dann hinten draufsteigen, und fährt mit ihr als Sozius sogar ein kleines Stück bis zu den Grenzgebäuden.

Neben der Fähre werden kleine Schuten beladen, mit denen riesige Säcke mit Zwiebeln transportiert werden. Es ist für die Transporteure günstiger, mit dem LKW bis zum Fluss zu fahren, hier die Last auf Schiffe tragen zu lassen, und am anderen Ufer dann wieder von den Schiffen auf einen anderen LKW zu transportieren, anstatt gleich mit dem LKW über die Grenze zu fahren.
Gleiches haben wir schon beim Grenzübergang von Bolivien nach Argentinien gesehen; dort war neben dem Grenzübergang für Fahrzeuge ein kleiner „Ameisenpfad“, auf dem eine ganze Horde von Männern beschäftigt war, Säcke mit Mehl und Getreide, sowie große Kartons von einem Land in das andere zu tragen.

Die Uhr wird wieder um eine Stunde zurückgestellt, wir haben somit wieder 6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland. Auf den ersten Blick macht Paraguay den Eindruck eines weit entwickelten sauberen und „gediegenen“ Landes.

Paraguay ist neben Bolivien das einzige Land Südamerikas ohne Küstenverbindung. Das Klima ist tropisch bis subtopisch, mit einer durchschnittlichen Lufttemperatur von 25°C im Sommer und 10 bis 20°C im Winter. Etwa 6 Millionen Einwohner leben in Paraguay.

Unser Hotel „Westfalia“ liegt am Rande von Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, direkt hinter der Grenze. Neben dem Hotel gibt es ein kleines Restaurant, in dem wir heute Abend auch essen werden. Wir stellen im Hof des Hotels unseren Anhänger ab und fahren dann weiter in die Stadt Asuncion.

Das Hotel Westfalia: Ein deutscher Fleck in Asuncion, Paraguay.

Jan und Paul sind heute wieder volltrunken und reden den ganzen Tag nur dummes Zeug – echt anstrengend.

Asuncion hat 515.000 Einwohner und macht ebenfalls einen sehr modernen Eindruck, es gibt sogar – das erste Mal, dass ich das auf dieser Reise sehe – Videotheken usw. Außerdem fahren auf den Straßen mehr moderne und neue Autos, als noch in Argentinien, und es ist z.B. überhaupt kein Problem, im Supermarkt mit Kreditkarte zu zahlen, was in Argentinien noch zu einem echten Problem wurde, da es dort kaum Akzeptanzstellen für Kreditkarten gab.

Das Hotel Westfalia ist unter deutscher Leitung, und zum Abendessen gibt es dort dann auch „typisch“ deutsches Essen: Westfälische Schlachteplatte mit Kotelett, Bratwurst, Schaschlik, Röstzwiebeln, Krautsalat und natürlich Pommes. Dazu wird deutsche Schunkelmusik gespielt, von „Wo die Nordseewellen schlagen an den Strand“ bis zu „Oh, mein Papa…“.
Jan und Paul haben sich von dem Stadtrundgang abgesetzt und waren Privat unterwegs; gegen 9 Uhr kommen sie von ihrer Privattour wieder zurück und mit dem Taxi vorgefahren, aber leider ohne Geld in der Tasche, so dass sie uns erstmal um Geld anpumpen mussten… Schäbig.

Heute gibt es mal wieder eine Dusche. Volker meint vor dem Essen, dass die Dusche angenehm warm wäre, aber als ich dann nach dem Essen zum Duschen gehe, ist sie leider bitterkalt, so dass das Duschen schnell erledigt ist. Nach dem Duschen stelle ich fest, dass man die Durchlauferhitzer erst an einem Schalter hätte anschalten müssen. Pech gehabt.

Thorsten und ich haben heute im Supermarkt zwei Flaschen Rotwein aus Paraguay gekauft, den wir aber nicht trinken konnten, so ungenießbar war der Wein. Im Supermarkt gibt es genau eine Sorte zu kaufen, und die gibt es in der Plastikflasche mit Schraubverschluss und für 3100 Guayana für 0,75 Liter, also weniger als 1 Dollar. Man hätte diesen Wein auch zum Pinselauswaschen nehmen können…

Wir sitzen abends noch auf der Terrasse des Hotels und trinken dort notgedrungen ein wenig von dem Fusel. Da heute Freitag ist, wird das Restaurant immer voller und voller, und auf der Straße ist ein Sicherheitsmann vom Hotel damit beschäftigt, die parkenden Autos zu dirigieren und möglichst platzsparend zu parken. Obwohl ich selbst in Bolivien in den kleinen Orten Handyempfang hatte, bekomme ich hier in Paraguay kein Netz. Erst in Brasilien werde ich wieder Empfang haben.

Tag 24, 24. April 2010, Samstag: Durch Paraguay nach Brasilien