Route Tag 24

Wie immer: Aufstehen um 7.20 Uhr, Frühstück um 8 Uhr, und Abfahrt kurz vor 9 Uhr.

Ich habe diese Nacht herrlich geschlafen. Heute morgen dusche ich ausgiebig, da ich ja nun weiß, wo der Schalter für die Durchlauferhitzer sich befindet. Herrlich! Wir werden heute quer durch Paraguay fahren und die Grenze zu Brasilien überschreiten. Deswegen wird auch heute im wesentlichen nur gefahren, mit wenigen Fotostopps und Pausen. Diese Expeditionsreise hat hervorragend geklappt, und wir haben nirgends Zeit durch Umleitungen, Baustellen, Demonstrationen, Pannen oder andere Unwägbarkeiten verloren. Deswegen haben wir unseren Reservetag bis zum Schluss aufgespart und können nun 3 Nächte in Foz Du Iguacu verbringen.

In den letzten Tagen war es in Asuncion sehr drückend und warm, aber in der Nacht hat es wieder mal geregnet und wir haben nun wieder angenehme, für diese Jahreszeit fast schon frische Temperaturen. Mal sehen, wie das Wetter in Foz wird, hier in Asuncion ist es trocken aber bedeckt bei ca. 18 Grad.
Der Stadtteil, in dem das Hotel Westfalia liegt, ist einer der besseren Stadtteile von Asuncion, und es fällt auf, das viele der etwas besser ausgestatteten Häuser sich hinter hohen Zäunen und Hecken versteckt. Die Angst vor Einbrechern und Dieben ist hier sehr hoch, so dass viel Wert auf den Schutz und entsprechende Zäune und Mauern gelegt wird. Es ist erstaunlich, wieviel Kleidung Dagmar mitgenommen hat. Während wir alle unsere Kleidung auftragen und so langsam auch knitterige und etwas angeschmutzte Kleidung tragen, hat sie immer wieder ein neues Kleid an. Vorgestern trug sie ein kleines Gedicht über diese Reise vor, welches sie selbst geschrieben hatte, und für diesen Anlass hat sie sich ein Kleid angezogen gehabt. Keine Ahnung, wo sie diese ganzen Dinge verstaut hat.

Nach dem sehr anstrengenden Tag gestern ist heute für Jan und Paul anscheinend Erholung angesagt, jedenfalls ist es im Bus wunderbar ruhig und die beiden schlafen den Großteil der Fahrt über.

Am Vormittag machen wir Rast an einem kleinen Kiosk, an dem einheimische Frauen ihr selbstgebackenes Gebäck verkaufen. Außerdem wartet dort zufällig ein Angehöriger der paraguayanischen Armee auf seine Mitfahrgelegenheit. Er ist in der Gala-Uniform unterwegs und macht einen sehr schmucken Eindruck. Obwohl es mit der Verständigung sehr schwer ist, ist er sehr nett und freundlich, und wir dürfen uns mit ihm fotografieren lassen; Erika darf sogar seine Mütze für ein Foto aufsetzen. Sie schafft es immer wieder, die Männer um ihren kleinen Finger zu wickeln – erstaunlich…

Das Mittagessen gibt es in einer Churrasceria in einem kleinen Dorf auf der Strecke; Ein kalt-warmes Buffet mit verschiedenen Fleischgerichten, Beilagen und Salaten plus Getränk für 5 US-$. Es gibt unter anderem Hähnchen, schwarze Bohnen, eine Art von Gnocchi in Tomatensoße und so weiter – sehr lecker.

Der Himmel zieht sich heute zu, und es setzt am Mittag ein leichter Nieselregen ein. Ein Vorzeichen auf das, was uns in den nächsten Tagen erwartet? War werden sehen. Hier in Paraguay scheint es in den letzten Tagen reichlich geregnet zu haben, denn die Felder sind zum teil überschwemmt und die Gräben sind voll Wasser.
Im Laufe des Tages nimmt der Regen immer mehr zu, so dass es irgendwann durchgängig regnet, und das Wasser in braunen Bächen die Straße hinunter fließt. Als wir am Grenzübergang nach Brasilien ankommen, regnet es dann in Strömen. Nur gut, dass der Grenzübergang zum Großteil überdacht ist. Die Ausreise aus Paraguay klappt gut, denn innerhalb von 15 Minuten sind alle Formalitäten erledigt und wir sind ausgereist. Anschließend wird Geld getauscht: für 10 US-$ bekomme ich 18 brasilianische Reales.
Am Grenzübergang herrscht ein riesiges Gewusel von fliegenden Händlern, die alles verkaufen, was nicht niet- und nagelfest ist: Getränke, Knabbereien, aber auch Klopapierrollen, und andere Dinge des „täglichen Bedarfs“. Zwischendurch fahren die Mofas und Motorräder, Fahrradfahrer schlängeln sich durch, und Fußgänger komplettieren das chaotische Bild hier. Nach der Ausreise fahren wir über die „Brücke der Freundschaft“ über den Iguacu nach Brasilien, nach Foz du Iguacu.

Auch die Einreise nach Brasilien klappt hervorragend, innerhalb von nur einer Stunde sind wir in Brasilien. Der Grenzübergang ist riesig, aber alles ist bestens organisiert, und die Grenzbeamten sind äußerst hilfsbereit, so dass wir unsere Einreisekarten noch nicht mal selbst ausfüllen müssen, sondern sie schon vorausgefüllt bekommen. Überhaupt sind diese Einreisekarten das A und O auf dieser Reise, denn außer in Paraguay müssen in jedem Land diese Karten bei der Einreise ausgefüllt werden, und bei der Ausreise werden sie dann wieder eingesammelt.
Was anschließend mit diesen Karten passiert, weiß kein Mensch; so unleserlich sie oft von den Grenzbeamten vervollständigt werden, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Abschnitte, die bei der Ausreise abgegeben werden, mit den Abschnitten, die bei der Einreise abgerissen werden, wieder zusammengeführt werden können. Auch wichtig sind die Stempel: Ohne den Ausreisestempel des einen Landes wird die Einreise in das nächste Land verweigert, und ohne Einreisestempel ist wiederum keine Ausreise möglich, was bei früheren Touren schon für reichlich Verzögerungen gesorgt hat, wenn es erst nach Tagen auffiel, dass der Einreisestempel fehlte und nun nachgeholt werden musste.
Manchmal machen die Beamten einen regelrecht gelangweilten Eindruck, und bei den Mengen an Ein- und Ausreisevorgängen, die sie zu bearbeiten haben, kann es eben schon mal vorkommen, dass einer der Reisepässe keinen Stempel abbekommt. Auch an der einen oder anderen Grenze hat Rita ihren Weg, die Formalitäten etwas zu beschleunigen; Ein Geldschein in dem obersten Reisepass des Stapels wirkt manchmal Wunder…

Der Campingplatz von Iguacu ist sehr klein, aber in hervorragendem Zustand. Er dient ROTEL als Basisstation, denn hier sind immer mehrere Busse von ROTEL geparkt, die entweder ausrangiert sind, oder gerade nicht in Südamerika unterwegs sind.

Zum Essen gibt es heute Abend Nudeln in einer Hackfleisch-Pilz-Pfanne – wie zu erwarten, ist das Essen wieder oberlecker.

Nach dem Essen kommt unser lokaler Guide vorbei und stellt uns das Ausflugsprogramm für die nächsten Tage vor. Morgen werden wir die brasilianische Seite der Wasserfälle besichtigen, außerdem wird es nachmittags, wenn das Wetter mitspielt, den Helikopterflug geben. Übermorgen besuchen wir die argentinische Seite der Wasserfälle, und haben die Gelegenheit, mit dem Boot bis an die Fälle heranzufahren. Der Besuch der argentinischen Seite, der Helikopterflug und die Bootstour sind fakultative Ausflüge, die mit insges. 225 US-$ heftig teuer sind, und ich überlege, ob ich den Helikopterflug nicht buche. Aber Margot überzeugt mich, denn sie meint, ich werde in meinem Leben höchstwahrscheinlich nie wieder hierher kommen und deswegen würde ich mich im Nachhinein ärgern, wenn ich nicht das volle Programm mitmachen würde. Nun, vermutlich hat sie recht, deswegen buche ich dann doch das volle Programm.

Es ist Samstag Abend, und anscheinend ist es üblich, dass sich neben den Campingplätzen eine Disko befindet, jedenfalls haben wir mal wieder bis morgens um 6 Uhr gute aber auch (zu) laute Musikbeschallung. Zwar ist der Lärm ein wenig gedämpft, wenn ich das Fenster der Kabine schließe, aber dann wird es in der Kabine schnell so warm, dass es nicht auszuhalten ist.

Tag 25, 25. April 2010, Sonntag: Die brasilianische Seite der Wasserfälle von Iguacu