Gleich nach dem Frühstück gibt es einen kräftigen Regenguss. Schon in der Nacht hat es immer mal wieder einen kurzen aber heftigen Schauer gegeben. Nach 20 Minuten sind diese Schauer zwar meist wieder vorbei, aber dennoch ist alles in dem Bus langsam klamm und feucht, und die Kleidung fängt langsam an, etwas zu muffen. Zum Frühstück gibt es heute statt Brötchen frisch nach deutscher Art gebackenes Brot und ein Stück Kuchen. Über die Verpflegung während dieser Reise kann ich wirklich kein schlechtes Wort verlieren, nur die zahlreichen Mahlzeiten mit Pommes hätten vielleicht nicht sein müssen.

Der Nationalpark von Iguacu ist ca. 100 km lang, und im Durchschnitt ca. 17 km breit. Foz du Iguacu wurde 1914 gegründet, ist also noch eine recht junge Stadt. Im Jahr 1974 wurde das Wasserkraftwerk begonnen zu bauen, und im Jahr 1996 war es endgültig fertig; die letzten Turbinen wurden aber erst im Jahr 2007 eingebaut. Die Wasserfälle von Iguacu, 275 an ihrer Zahl, erstrecken sich auf ca. 2700 m Breite. Sie sind im Schnitt 80 m tief.
Die Wasserfälle sind mehr als beeindruckend, denn durch die starken Regenfälle der letzten Tage transportieren sie ca. 50 % mehr Wasser als im Durchschnitt. Entsprechend mächtig und kraftvoll wirken diese Fälle nun. Das Mittagessen besteht heute aus einem Kaffee, einer Banane und einer Tüte Kartoffelchips.

Nach dem Besuch des Nationalparks wird noch ein Besuch in einem Vogelpark angeboten, aber Thorsten und ich, sowie Margot und Rita verzichten darauf und setzen uns lieber in ein Café und genießen die Ruhe. Anschließend fahren wir zu einem riesigen Restaurant, in dem wir für 10 US-$ Mittagessen dürfen. Vor dem Restaurant stehen 5 oder 6 Busse anderer Reiseveranstalter. In dem Restaurant selbst stehen riesige Tische, an denen die Busgesellschaften „abgefertigt“ werden.
Da ich schon durch die Banane und die Chips satt bin, und keine Lust auf diese Massenabfertigung habe, klinke ich mich aus und schlendere zu einer Häuserzeile ein paar hundert Meter entfernt.

Dort finde ich mit Jens zusammen einen kleinen Trödel-Laden und Supermarkt, der von der Cola-Dose bis zum Campinggrill, Medikamente, Landgeräte, Elektrogeräte, Werkzeug und sonstwelchen Klimbim verkauft. Herrlich, hier rumzuschauen und eine gemütliche entspannte Stunde zu verbringen, anstatt in diesem Massen-Restaurant sitzen zu müssen.

Seit gestern spricht unser lokaler Guide von dem tollen Souvenirladen, den wir heute noch besichtigen werden, und in dem man wunderschöne tolle Dinge für fast umsonst kaufen kann, und ich frage mich, was uns da nun erwarten wird – und die Enttäuschung ist riesengroß: Der Laden ist auf Hochglanz poliert, und es gibt dort nur billigen Taiwan-Nepp, der den Touristen für teures Geld angedreht werden soll.
Nicht zu vergleichen mit den kleinen Souvenirständen, die wir am Rande der Strecke immer wieder gesehen haben, und an denen wir authentische(re) Dinge kaufen konnten, die augenscheinlich von den Verkäuferinnen selbst gemacht wurden. Absolut nicht empfehlenswert, und eigentlich eine Peinlichkeit, dass wir in diesen Laden „verschleppt“ wurden.

Der Helikopterflug ist ganz große Klasse, denn genau in den 10 Minuten unseres Fluges reißt die Wolkendecke auf und wir haben über den Wasserfällen strahlenden Sonnenschein. Von hier oben sind die Wasserfälle noch beeindruckender als zu ebener Erde.

Für morgen Abend hat uns unser Guide noch eine wahnsinnig tolle Sambashow angeboten, die wir für 25 EUR besuchen können, aber ich fürchte, dass diese Show ein ähnlicher Touristennepp werden wird, wie der ach so tolle Souvenirshop, und verzichte deshalb darauf – und diese Entscheidung scheint richtig gewesen zu sein, denn diejenigen unserer Gruppe, die sich beide Shows angesehen haben, meinten, dass diese Sambashow im Vergleich zu der Folkloreshow in Salta um Längen schlechter ist.

Heute schlafe ich die vorletzte Nacht im ROTEL, denn übermorgen fliegen wir schon nach Rio de Janeiro.

Außerdem gibt es heute nochmal für ausgewählte Leute, unter anderem auch für mich, den Koffer, denn ich habe meine Badhose nicht in der Drei-Tage-Tasche, sondern im Koffer liegen. Morgen beginnt dann sowieso das große Kofferpacken, und ich bin gespannt, ob ich alles wieder so verstaut bekomme, wie auf der Herreise? Schlimmstenfalls muss ich eben ein paar T-Shirts oder ein Badetuch entsorgen.

Gerda wird immer schrulliger, man kann es ihr wirklich nicht rechtmachen, und an allem hat sie was auszusetzen. Entweder werde ich diesbezüglich empfindlicher, oder sie wird anstrengender. Sie meinte zu Margot, dass ihr einziges Ziel Machu Picchu war, und alles andere sie nicht interessiert oder sie schon gesehen hat – aber warum macht sie dann diese Reise und bucht nicht einfach nur ein paar Tage Peru?

Durch die Regentage hat sich nun im Anhänger der „Duft der großen weiten Welt“ festgesetzt. Alles ist muffig und miefig, und klamm. Hätten wir auf der Reise dieses Wetter durchgängig gehabt, wäre sie wesentlich anstrengender gewesen, und die Laune innerhalb der Gruppe wäre sicherlich schnell gekippt. Insofern hatten wir wirklich beste Voraussetzungen für eine angenehme Reise. Schon die Regentage hier haben dafür gesorgt, dass die Hose und die Schuhe aussehen, als wäre ich wie Bauer Piepenbrink auf dem Feld unterwegs gewesen.

Auch heute Abend schmeißt Markus wieder den Grill an, und es gibt Kartoffelpüree (keine Pommes!), Sauerkraut und Bratwürstchen. Anschließend sitzen wir noch bei einer Flasche (schlechtem) Brasilianischen Wein rum, und schon so gegen 20 Uhr gehe ich ins Bett und lese noch ein wenig.

Überflüssiges für die Reise: Die Handtücher habe ich nicht gebraucht. Mit dem Sporthandtuch bin ich die Reise über gut über die Runden gekommen. Eventuell dazu noch ein kleines Handtuch zum Gesicht waschen, das reicht dann. Die Badehandtücher sind nur Ballast und werden unbenutzt von mir wieder nach Deutschland zurückgenommen.

Jens ist wortwörtlich ein Warmduscher: Die Duschen mit kaltem Wasser waren für ihn das Hauptthema auf der Reise, und er hat jede Gelegenheit zum Warmduschen genutzt. Er war auch der einzige, der sich in die Therme getraut hat – der Drang nach Wärme siegte über das Hygieneempfinden. Er ist wirklich etwas sonderbar, und hat uns erzählt, wie er den Pferdestall in seiner Abwesenheit regelt. Mit einer aufwändigen Lichtschrankenkonstruktion sorgt er dafür, dass die Tür zu einer bestimmten Zeit zugeht, aber nur, wenn das Pferd zu dieser Zeit auch wirklich schon im Stall ist. Und damit das Pferd nicht schnell noch rausschlüpfen kann, wenn die Tür zugeht, hat er den Schließmechanismus mit dem Futterspender verbunden – und erst nachdem das Futter in den Trog gegeben wurde und das Pferd somit abgelenkt ist, geht die Stalltür zu. Gewusst, wie..!

Rita, 53 Jahre alt, ist eine in meinen Augen sehr gute Reiseleiterin. Sie gibt die Informationen in genau der richtigen Dosierung, und kümmert sich wirklich noch um die unwichtigsten Belange von uns Mitreisenden. Manchmal macht sie den Eindruck, als wenn sie sich über die kleinen Wehwehchen in der Gruppe zu viele Gedanken macht, und ich denke, etwas mehr Abgebrühtheit könnte ihr nicht schaden, damit sie etwas mehr Ruhe bekommt, aber sie macht diesen Job schon mehr als 20 Jahre, und wird schon wissen, wie sie mit den kleinen Befindlichkeiten umgehen muss.

Markus, geschätzt Ende 40, ist ein recht poltriger Bayer, der auch schon seit mehr als 20 Jahren für ROTEL fährt. Auch, wenn er bei Sonderwünschen wie eine außerplanmäßige Kofferausgabe vor sich hinbrummelt: Er ist immer hilfsbereit und spätestens mit einer Dose Bier nach Feierabend hat man ihn für sich gewonnen.

Tag 26, 26. April 2010, Montag: Tagesausflug nach Argentinien