Aufstehen heute erst um 6.40 Uhr, Frühstück um 7 Uhr, Abfahrt um 8 Uhr.

Die Nacht über war es, soweit ich es mitbekommen habe, relativ trocken, aber pünktlich zum Frühstück fängt es an, wie aus Eimern zu schütten und zu gewittern. Auch wenn unser lokaler Guide gute Laune zu verbreiten versucht, und behauptet, dass der Regen spätestens in einer Stunde vorüber sein wird: So dicht, wie der Himmel sich präsentiert, und so ausgiebig, wie es gießt, glaubt ihm keiner von uns ein Wort. Und in der Tat: Bis 12 Uhr wird es Bindfäden regnen. Dennoch sind die Wasserfälle von der argentinischen Seite noch beeindruckender als von der brasilianischen. Der Fluss führte heute nochmal mehr Wasser als gestern schon.

Ich merke, wie langsam eine Erkältung heranzieht, und habe Halsschmerzen. Deswegen überlege ich, die Bootstour abzusagen, denn wenn ich nur mit Badehose, T-Shirt und Schwimmweste bekleidet mit einem Speedboat durch den Fluss fahre und dann später nass von den Wasserfällen wieder zurück zum Anlegesteg, kann ich mir jetzt schon die Monstererkältung ausmalen, die ich in den nächsten Tagen haben werde. Aber Margot überredet mich, die Bootstour trotzdem mitzumachen, denn schließlich ist die Reise schon fast zu ende, und wenn ich mich jetzt erkälte, ists nicht mehr so tragisch. Naja, recht hat sie, und so ringe ich mich doch dazu durch, diese Tour mitzumachen.
Wir fahren zunächst mit einem großen Jeep, in den ca. 25 Leute passen, zum Bootsanleger – jedenfalls wollen wir zum Bootsanleger fahren. Das verzögert sich jedoch noch 20 Minuten, denn vor uns ist durch den aufgeweichten Boden ein Baum auf den Weg zum Anleger gestürzt, und wir müssen erstmal warten, bis der Baum mit Kettensägen und Macheten zur Seite geräumt wird.

Die gesamte Besatzung des Jeeps kommt nun auf das Boot und bekommt Schwimmwesten verteilt. Zunächst geht es mit großer Geschwindigkeit im Zickzack über den Fluss, um ums „einzustimmen“, und dann fahren wir an mehreren kleinen Wasserfällen dicht vorbei bis zu einem etwas größeren Wasserfall, in dessen Gischt der Kapitän so hinein steuert, dass wir klatschnass werden, und das Wasser ins Boot schwappt – ein einmaliges Erlebnis.

Nur bekleidet mit T-Shirt, Badehose und Schwimmweste, ist es dennoch nicht zu kalt auf dem Wasser, auch wenn es bedeckt ist, und die Sonne uns deshalb nicht wärmt, aber das Wasser ist sogar etwas wärmer als die Luft, und so ist es hier, so dicht über der Wasseroberfläche tatsächlich angenehmer als oben am Kopf der Wasserfälle. Wieder am Anleger angekommen, ziehen wir uns wieder an und fahren mit dem Jeep wieder zurück zum Treffpunkt, wo unsere Gruppe schon auf uns wartet, denn durch die Zwangspause mit dem Baum und etwas Trödelei haben wir insgesamt 45 Minuten Verspätung.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz machen wir noch einen Umweg zum „Drei-Länder-Eck“ Brasilien – Paraguay – Argentinien, und selbstverständlich ist hier ein Fotostopp – und genau so selbstverständlich nutzen Dagmar und Erika wieder mal die Gelegenheit, um die Souvenirshops unsicher zu machen. Ich wiederum gebe meine letzten argentinischen Pesos aus, und gönne mir hier ein Eis…

Vor dem Abendessen ist noch großes Packen angesagt, und ich schaffe es tatsächlich, mein ganzes Gepäck wieder in der großen Reisetasche zu verstauen, inklusive der hier gekauften Dinge und der Thermosflasche, die ich dieses mal nicht im Handgepäck mitnehmen werde, man ist ja lernfähig.

Zum Abendessen sind wir heute nur 8 Leute, denn der Rest geht zur Samba-Show und bekommt dort ein Abendessen. Wir bekommen aus der Campingplatzküche Wiener Schnitzel, Pommes (natürlich!), und Bandnudeln, dazu einen Salat und zum Nachtisch Ananas-Ringe. Das Abendessen ist wieder sehr reichlich und lecker – aber das sind wir ja schon gewöhnt. Und wir bekommen das Essen sogar auf „echtem“ Geschirr, und müssen nicht unser ROTEL-Besteck verwenden.

Anschließend sitzen wir noch mit 6 Leuten, Tom, Susi, Thorsten, Gerda, Jens und ich, noch am Tisch, haben nett geplaudert und Wein und leckere Caipirinha getrunken. War ein sehr netter Abend, und ein gelungener Abschluss dieses Urlaubs, wie ich finde. Ich freue mich nun auf den Tag in Rio und gehe um 22.45 Uhr zum letzten Mal in mein ROTEL-Bett.

Tag 27, 27. April 2010, Dienstag: Die letzte Nacht im ROTEL und Flug nach Rio de Janeiro