Route Tag 3

Route Tag 3

Um 2:30 Uhr, also zu völlig unchristlicher Zeit, klingelt mein Wecker, und kurz darauf ertönt der Weckruf der Rezeption und sorgt endgültig für das Ende der Nacht. Noch halb schlaftrunken duschen wir schnell, und machen uns für die Abreise fertig. Wurde das Gepäck am Vorabend noch von den Gepäckträgern auf das Zimmer gebracht, so müssen wir es nun selbst wieder runter tragen, da die Kofferträger natürlich noch nicht im Dienst sind. Erstaunlich: selbst unsere Bayern sind pünktlich und stehen zur vereinbarten Zeit vor dem Bus.

Abfahrt von Lima

Abfahrt vom Hotel in Lima um 03:30 Uhr

Nach einem kleinen Frühstück – Kaffee, Tee, Brötchen, Butter, Marmelade – steigen wir in unseren Bus, der uns zum Flughafen fährt. Nachdem wir zunächst von dem lokalen Guide zur LAN Peru gebracht wurden, und sich dann herausstellte, dass wir Tickets für die Star Peru haben, klappt der Gepäck-Check-In dort im zweiten Anlauf dann perfekt. Rita organisiert für uns anschließend die Bordkarten, und die restliche Zeit bis zum Abflug verbringen wir halb dösend und gelangweilt im Boarding-Bereich.

Abflug in Lima

Abflug nach Cusco um 06:00 Uhr

In der Reisebeschreibung von ROTEL wurde noch die Aero Condor als Fluggesellschaft genannt, aber diese hat wegen Sicherheitsbedenken keine Fluglizenz für Linienflüge mehr, sondern darf nur noch Charterflüge durchführen.

Gleich nach dem Start pünktlich um 6:00 Uhr dreht das Flugzeug eine Schleife über dem Meer, um an Höhe zu gewinnen und über die direkt außerhalb von Lima steil ansteigenden Anden zu gelangen. Wir fliegen über nahezu wolkenlose Andenberge und können dabei zusehen, wie die Sonne langsam höher steigt und die Anden weiter und weiter beleuchtet. Kurz vor der Landung zieht das Flugzeug, das für ca. 90 Personen Platz bietet, in einer langgezogenen Kurve nach nur 1:15 Stunden Flugzeit in das Tal und landet sicher in Cusco.

Direkt am Flughafen steigen wir in einen kleinen Bus, der uns zu unserem Hotel bringen soll. Das Gepäck wird in einem zweiten Bus verladen, der parallel zu uns zum Hotel fahren wird.
Während wir darauf warten, dass das Gepäck auf und in den Bus verstaut wird, werden uns von den Straßenhändlerinnen Coca-Blätter zum Kauen angeboten. Mit Hilfe dieser Coca-Blätter und dem überall erhältlichen Coca-Tee lässt sich die Höhe von immerhin 3.400 m gut ertragen. Nur wenige aus unserer Gruppe haben wegen der Höhe Kopfschmerzen, und nur Amir, der mit 78 Jahren älteste Teilnehmer, benötigt in Lima auf Grund der Höhe eine Portion Sauerstoff. Was wir aber schnell merken: Man ist in dieser dünnen Luft wesentlich schneller erschöpft als in den aus Mitteleuropa gewöhnten Höhen. So hat man nach einer Treppe von einem ins andere Stockwerk das Gefühl, als wäre man 3 Etagen gegangen.

Das Zimmer im Hotel Ruinas in Cusco

Das Zimmer im Hotel Ruinas in Cusco

Blick aus dem Hotel Cusco

Blick aus unserem Hotelzimmer über Cusco

Bei der Fahrt zu unserem Hotel (Hotel Ruinas) zeigt Cusco sich als sehr schöne Kleinstadt mit rund 320.000 Einwohnern. Das Zimmer von Thorsten und mir liegt im zweiten Stock und hat einen sehr schönen Blick Richtung Innenstadt. Nach einer Tasse Coca-Tee zur Begrüßung beginnt um 9 Uhr morgens die Stadtrundfahrt mit Maria, unserer lokalen Führerin.

Zunächst fahren wir auf eine kleine Anhöhe außerhalb von Cusco und sehen uns die Stadt und die Gegend von oben an. Über den Dächern der Stadt trohnt, wie über vielen Städten Südamerikas, eine Jesusstatue, die über die Stadt wachen soll.

Weiter geht es nach Tambomachai, einer Wasserquelle der Inkas. Aus dieser Quelle fließt immer eine gleich bleibende Menge Wasser, egal ob gerade Regenzeit oder Trockenheit herrscht. Auch weiß man trotz diverser Versuche nicht, woher dieser Brunnen gespeist wird. Wenn Frauen von diesem Wasser trinken, sollen sie jedenfalls schwanger werden… Was Männern droht, wenn sie von dem Wasser trinken, ist nicht überliefert.

Nächster Stopp ist in Quenqo, ein Festplatz mit einem riesigen, zerklüfteten Kalkstein, der früher einen Puma darstellen sollte. Diese Skulptur wurde wie auch die Gravuren von den Spaniern zerstört, so dass heute nicht mehr genau gesagt werden kann, wofür dieser Platz tatsächlich genutzt wurde. Eine glatte Spalte führt ins Innere des Felsens, wo vermutlich Tote für einen Mumienkult aufbereitet wurden.

Weiter geht es nach Sacsayhuaman, einer sehr beeindruckenden Festungsanlage, die zwar von den Inkas fertiggestellt werden konnte, aber später von den Spaniern als Steinbruch für Kirchenfundamente und Eisenbahnstrecken genutzt wurde. Diese Anlage sollte wohl den am gefährdetsten erscheinenden Zugang nach Cusco beschützen. Sie wurde innerhalb von 70 Jahren im 15. Jahrhundert erbaut. Zum Bau der Mauer wurden riesige Steine von den 20 km entfernten Steinbrüchen heran transportiert und dann bearbeitet, bis sie fugenlos aneinander passten. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Ungeklärt ist, wie die Inka die Steine transportiert haben, da sie weder Rad noch Rolle kannten. Für die Bearbeitung verwendeten sie spezielle Steinwerkzeuge, denen selbst harter Granit nicht standhielt. Die Mauern dieser Anlage erstrecken sich zickzack-förmig über 600 Meter und haben gewaltige Eckmonolithen.

Sacsayhuaman Panorama

Panorama der Festungsanlage von Sacsayhuaman

Es geht nun wieder zurück nach Cusco. Dort besuchen wir zunächst das Convento de Santo Domingo, eine Kirche, in der in den 50er Jahren nach einem Erdbeben Überreste der Coricancha, dem wichtigsten Inkatempel, freigelegt wurden. Diese Mauern überstanden dank ihrer trapezförmigen Bauweise diverse Erdbeben, im Gegensatz zu den auf diesen Mauern errichteten Gebäuden der Spanier. Bevor dieses Kloster hier errichtet wurde, lebten hier bis zu 3000 Frauen gleichzeitig, die auserwählt waren, dem Sonnengott der Inkas ihr Leben zu widmen, indem sie zum Beispiel dem obersten Inka die Kleider fertigten.

Die Kathedrale, die am Plaza de Armas steht, wurde in über hundert Jahren Bauzeit errichtet und 1654 fertiggestellt. Sie enthält viele Bilder aus der Schule von Cusco; ein Kunststil, in dem die religiös ausgerichteten Elemente der europäischen Kunst mit denen der Indigenen vermischt werden. Man sieht zum Beispiel eine Abendmahl-Szene, in der aber Meerschweinchen serviert wird, oder Engel mit indigenen Gesichtszügen, die sich um Erzengel mit spanischen Kleidern und Waffen scharen. Leider ist fotografieren in der Kathedrale streng verboten, und zwei äußerst aufmerksame Mitarbeiter der Kirche lassen uns keinen Moment aus den Augen und überwachen jeden Griff in Richtung unserer Kameras.

Cusco war früher die Hauptstadt des Inkareiches. Heute ist sie eine wunderschöne Kleinstadt im Herzen von Peru, in der man überall Zeugnisse der Inka-Kultur sowie der spanischen Kolonialherren findet. Gegründet um 1200, wurde die Stadt bis zum Eintreffen der Spanier im 16. Jahrhundert zur Hauptstadt des Inka-Reiches mit ungefähr 200.000 bis 300.000 Einwohnern in der Hochzeit Cuscos und besaß bereits gepflasterte Straßen und eine ausgeklügelte Wasserversorgung.

Nach der recht anstrengenden Stadtführung, die bis 14:30 Uhr dauerte, gehen Thorsten und ich mit Heinrich und Hannelore in einem kleinen Restaurant essen. Ich bestelle mir ein Cordon Bleu mit Pommes, Champignonrahmsauce und Gemüse. Das Cordon Bleu und die Pommes sind superlecker, die Champignons schmecken leider nach Chlor, und das Gemüse war fad und zerkocht.
Nach dem Essen bummeln Thorsten und ich dann noch kurz durch die Stadt, und anschließend falle ich kaputt und müde für ein nachmittägliches Nickerchen aufs Bett. Ein leichtes Gewitter zieht über die Stadt, und es nieselt leicht, nachdem es vormittags und mittags bestes Wetter war und wir trotz der Höhe um die 22 Grad hatten. Da wir zur Stadtrundfahrt aufgebrochen sind, bevor unser Gepäck auf die Zimmer gebracht werden konnte, kam ich weder an meine Sonnencreme noch an meinen Sonnenhut, und ich habe mir den Sonnenbrand des Jahres eingefangen, der mich noch die nächsten Tage beschäftigen wird.

Zum Abendessen gibt es eine Hühnerbrust mit: Pommes natürlich! Dazu Sauce Hollandaise und Gemüse. Außerdem ist unser Fahrer Markus, ein waschechter Bayer aus der Nähe von Passau, seit heute in der Stadt und isst mit uns zu Abend. Nach dem Abendessen gehe ich noch ein wenig durch die Stadt, die brechend voll ist. Auf den Straßen wird gefeiert, es sind Straßenkünstler unterwegs, junge Leute, aber auch Bettler und Kinder, die auf der Straße für ein paar Almosen Süßigkeiten verkaufen. In einem Supermarkt decke ich mich mit kleinen Snacks und Getränken für den nächsten Tag ein.

Obwohl die Mülleimer in der Stadt rar gesät sind, macht sie einen sehr sauberen Eindruck, außerdem ist an jeder Ecke Polizei, Touristenpolizei oder Militär zu sehen. Ich fühle mich als Tourist hier, wie auch in den anderen Städten, die wir noch besuchen werden, nicht unsicherer, als in jeder mitteleuropäischen Großstadt.

Gegen 22 Uhr gehe ich, wieder todmüde und kaputt, zu Bett.

Tag 4, 4. April 2010, Oster-Sonntag: Machu Picchu