Route Tag 4

Route Tag 4

Abfahrt vom Hotel in Cusco

Abfahrt vom Hotel in Cusco

Fahrt nach Ollantaytambo

Fahrt nach Ollantaytambo

Um 6 Uhr werden wir wieder durch den Weckdienst des Hotels geweckt. Rita ist in dieser Beziehung sehr fürsorglich (oder vorsichtig?), und bestellt für uns alle automatisch den Weckdienst.
Zum Frühstück gibt es ein Buffet mit Käse, Schinken, Müsli, Eiern, Kaffee und natürlich dem allgegenwärtigen Coca-Tee. Außerdem habe ich aus Deutschland für jeden einen Schoko-Osterhasen mitgebracht, die ich beim Frühstück verteile, es ist schließlich Ostersonntag!
Heute werden wir nach Machu Picchu fahren, aber zunächst in Ollantaytambo einen Stopp einlegen. Der Besuch in Ollantaytambo ist zwar laut Plan erst für morgen vorgesehen, aber da wir erst einen recht späten Zug nach Machu Picchu reserviert bekommen haben, werden wir Ollantaytambo vorziehen und schon heute besuchen.

Über einen Pass von 3.800 m Höhe gelangen wir nach Urubamba und weiter nach Ollantaytambo. Selbst auf dieser Passhöhe ist noch alles grün, und ein paar Bäume sind noch bis in 4.000 m Höhe zu sehen, die Vegetation reicht hier also deutlich höher als in Mitteleuropa. Ollantaytambo ist eine beeindruckende Stadt der Inkas mit einer Festung am Zusammentreffen dreier Täler auf ca. 2.800 m Höhe, die aber bis zum Eintreffen der Spanier nicht fertiggestellt wurde. Auf einem der Berghänge sind auf unwegsamstem Fels Kornspeicher angelegt worden, die so gegen Eroberungen durch Feinde geschützt werden sollten. Dieses Korn wurde auf riesigen Terrassenfeldern angebaut.

 

 

Nach einer kurzen Pause fahren wir nun weiter zu einem kleinen Umsteigeplatz, und wir wechseln von unserem 25-Personen-Bus in drei kleine Minibusse für je 10 Personen. Mit denen fahren wir über eine Schotterpiste ca. 25 Minuten nach Pisca Cucho („Fünf Ecken“). Hier wurde ein provisorischer Bahnhof erbaut, in dem man in die Züge in Richtung Machu Picchu einsteigen kann.

Umstieg in die Bahn nach Aguas Calientes

Umstieg in die Bahn nach Aguas Calientes

Die Bahnstrecke von dem eigentlichen Bahnhof in Ollantaytambo bis hierher ist nach den schweren Überflutungen vom Januar noch nicht wieder instandgesetzt worden, da hier parallel auf einer Straße gefahren werden kann; diese endet aber in Pisca Cucho. Deswegen wurden zunächst die unbedingt erforderlichen Teile der Bahnstrecke saniert.

Umstieg in die Bahn nach Aguas Calientes

Umstieg in die Bahn nach Aguas Calientes

Für uns ist Waggon B, der zweite der vier Waggons des Zuges, vorgesehen, dort sitze ich auf Platz 29. Für die 28 km nach Aguas Calientes, der Stadt am Fuße von Machu Picchu, werden wir ungefähr 1,5 Stunden benötigen. Die Strecke ist erst seit fünf Tagen wieder in Betrieb und teilweise erst provisorisch wiederhergestellt, so dass wir auf weiten Teilen im Schritttempo fahren, und der Zug doch bedenklich nach links und rechts schwankt.

Waggon B

Unser Waggon in der Bahn nach Aguas Calientes

Wir sehen während der Fahrt, was der über die Ufer getretene Fluss hier angerichtet hat: Felder und Häuser der Indigenen wurden überspült, und sie behelfen sich nun mit Notzelten, die ihnen von der Regierung zur Verfügung gestellt werden. Etwas höher gelegene Häuser sind unterspült und hängen teilweise in der Luft, ganze Schienenstränge sehen wir im Wasser, so dass die Trasse neu in Fels geschlagen werden musste. Nachdem ich diese Zerstörungen sehe, bin ich überrascht, dass das alles innerhalb von nur 8 bis 10 Wochen wiederhergestellt wurde.
Auch wenn die Bahnstrecke nach Aguas Calientes schon seit 5 Tagen wieder in Betrieb ist, verkehren die Züge nur sehr unregelmäßig, verspätet und langsam, so dass die Bahn noch lange nicht wieder die Kapazitäten hat, wie vor der Katastrophe. Dieser Umstand und die Tatsache, dass der Zugang nach Machu Picchu erst seit dem 1. April, also erst seit 4 Tagen wieder zulässig ist, sorgen dafür, dass sehr wenige Touristen unterwegs sind, was sich später noch als unschätzbarer Vorteil erweisen wird.

Auf den Schienen laufen Trekking-Touristen, die nach Aguas Calientes wollen oder von dort kommen, und weichen dem Zug aus – bei der Geschwindigkeit des Zuges kein Problem. Neben der Bahnstrecke stehen vereinzelt Häuser oder die Überreste davon. Hier wohnen Indigene neben der Strecke und betreiben auf dem Land zwischen Bahnstrecke und Flussufer Ackerbau, ohne selbst je das Geld für eine Fahrt mit dem Zug zu haben.

In Aguas Calientes angekommen, steigen wir wieder in einen Bus für ca. 20 Personen, der uns dann nach Machu Picchu bringen wird. Wieder fahren wir über eine einspurige Schotterpiste, die sich in Serpentinen den Berg hochwindet. An den steil abfallenden Hängen gibt es natürlich keine Leitplanken oder ähnliches, und immer, wenn ein Bus uns entgegen kommt, muss der Fahrer stark bremsen, und eine Ausweichbucht ansteuern. Wenn hier ein Unfall passiert und der Bus von der Straße abkommt, gibt es wortwörtlich kein Halten mehr…

Aguas Calientes Bus

Diese Busse pendeln zwischen Aguas Caliente und Machu Picchu

Nach 20 Minuten fahrt haben wir aber endgültig unser Ziel für heute erreicht: Machu Picchu.

Machu Picchu liegt in ca. 2360 m Höhe und ist eine, wenn nicht DIE, best erhaltene Ruinenstadt der Inkas. Den spanischen Eroberern war Machu Picchu immer verborgen geblieben. Zwar war Machu Picchu im Laufe der Zeit immer wieder entdeckt und in Vergessenheit geraten, aber letztendlich wurde die Stadt erst Anfang des 20. Jahrhunderts, 1911, endgültig von dem amerikanischen Historiker Hillary Bingham entdeckt, der auf der Suche nach dem Schatz der Inkas war. Bis heute ist unklar, wofür Machu Picchu eigentlich diente. Es ist auch nicht bekannt, ob diese Stadt bei Eintreffen der Spanier sich noch im Bau befand, oder bereits fertiggestellt war. Man vermutet heute, dass diese Stadt als eine Art Universität diente, in der auf Grund der Abgeschiedenheit das Wissen der Inkas vor den Feinden bewahrt werden sollte. Jedoch gibt es keinerlei Aufzeichnungen über Machu Picchu, und im Laufe der Zeit wurden die Ruinen immer wieder verändert und beschädigt, so dass diese nicht mehr in jedem Fall korrekt interpretiert werden können.

Auf der Fahrt mit dem Bus hinauf nach Machu Picchu sitze ich eingepfercht mit Rucksack, Fototasche usw. auf meinem Sitz, und verliere in dem Aussteige-Trubel natürlich prompt mein Eintrittsticket. Ich habe mir zum Glück die Busnummer gemerkt, und bin noch schnell im Tiefflug zurück zum Bus und konnte das Ticket wiederholen. Margot erging es genauso: Auch sie hat ihr Ticket im Bus liegengelassen, merkte es aber erst bei der Eintrittskontrolle. Als sie dann zum Bus zurück wollte, war der schon wieder abgefahren, der Fahrer kam ihr aber mit dem Ticket wedelnd entgegen, denn er hatte es beim Aufräumen des Busses liegen gesehen…

Machu Picchu selbst ist wegen der noch schlechten Verkehrsanbindung verhältnismäßig leer. Wir können uns in der Anlage bewegen, ohne dass wir viele andere Besuchergruppen sehen. An normalen Tagen dürfen bis zu 2000 Personen täglich die Anlage betreten; wir haben vielleicht drei oder vierhundert Leute gesehen. Das Wetter wird zwar während unseres Besuches immer schlechter, aber das gibt diesem Ort einen noch spannenderen und mysteriöseren Eindruck. Mich hat Machu Picchu sehr beeindruckt – welche Bauten hier mit einem immensen Aufwand errichtet wurden, ist in meinen Augen ein Wunder. Und dass diese Bauten die Jahrhunderte nahezu unbeschädigt überstanden haben, ist ebenfalls fast unglaublich.

Um 14.15 Uhr sind wir in Machu Picchu, bis 16.15 Uhr geht die sehr gute und interessante Führung von Maria, und bis 17 Uhr haben wir dann Freizeit. Um 17 Uhr fahren wir dann zurück nach Aguas Calientes. Das Restaurant, welches Maria normalerweise ansteuert, ist noch geschlossen, und so gehen wir mit ihr und Rita in ein anderes, in dem ich für 21 US-$ ein Rindersteak mit scharfer Sauce, etwas Gemüse und 6 (in Worten: sechs!) Pommes mit einer Dose Bier bekomme. Anschließend bummeln wir noch eine gute Stunde durch Aguas Calientes. Auch hier sieht man an den Ufern des Flusses noch die Geröllberge von den Überschwemmungen. In vielen Schaufenstern hängen nun brandneue Übersichtspläne, in denen gekennzeichnet ist, welche Straßen hochwassergefährdet sind, und welche Fluchtwege es gibt. Für die letzte Überschwemmung zu spät…
Beim Bummel gönne ich mir an einem Grillstand einen leckeren Fleischspieß. Außerdem sehen wir viele Restaurants, in denen man anscheinend deutlich besseres Essen für weniger Geld bekommen hätte, als in dem, in dem wir gewesen sind. Nun ja…

Um 21.30 Uhr fährt der Zug wieder zurück und kommt um 23.00 Uhr in Pisca Cucho an. Mit dem Kleinbus geht es wieder zum Umsteigeplatz, den wir um 23.30 Uhr erreichen. Mit unserem Bus fahren wir dann zurück nach Cusco, und um 1.45 Uhr sind wir endlich wieder in unserem Hotel – glücklich, aber todmüde.
Aber dafür lässt Rita uns großzügigerweise eine Stunde länger schlafen: Wecken ist am nächsten Tag also erst um 7 Uhr…

Tag 5, 5. April 2010, Oster-Montag: Pisaq