Um 6 Uhr werden wir geweckt, und bis ca. 7.30 Uhr frühstücken wir. Das Frühstück ist ebenfalls nicht umwerfend, kalter Kaffee und kaltes Rührei inklusive. Aber dass Frühstück hier nicht sehr groß geschrieben wird, daran haben wir uns ja schon gewöhnt.

Nach dem Frühstück gehen Thorsten und ich kurz vors Hotel und zum Ufer des Sees runter und schlendern ein wenig an der Uferpromenade entlang. Dass Puno nicht gerade die reichste Stadt ist, sehen wir, als wir wieder in Richtung Hotel gehen, denn es sind noch lange nicht alle Straßen in der Stadt asphaltiert, sondern oft sind nur Schotterstraßen angelegt. Um 8.30 Uhr werden wir dann am Hotel von mehreren Tuctucs erwartet, die uns in wenigen Minuten und teilweise halsbrecherisch über die unebenen Bahnübergänge fahrend zum Hafen von Puno bringen.

Das Wetter ist heute herrlich: Die Sonne scheint, ein paar Schäfchenwolken ziehen vorüber, und wir haben um die 25 bis 30 Grad. Wir besteigen ein Boot, das uns in knapp 50 Minuten zu den schwimmenden Inseln der Uros bringt.

Die Uros sind ein indigenes Volk, welches von den Inkas vertrieben wurde, und dessen einzige Chance zu überleben darin bestand, auf das Wasser zu flüchten. Auf den um die 50 Inseln leben noch mehrere hundert Menschen, die aber nicht mehr vom traditionellen Fischfang und dem Tauschhandel leben, sondern vom Tourismus und vom Verkauf ihrer Waren, wie z. B. Teppiche, Tücher usw.

Die Inseln werden aus dem Schilf, das in Ufernähe wächst, gebaut, indem zunächst eine Grundlage aus Wurzelgeflecht des Schilfs gebaut wird, die dann mit den Schilfhalmen bedeckt werden. Diese Schilfhalme verrotten von unten nach oben durch die Feuchtigkeit, so dass von oben immer wieder frisches Schilf aufgeschichtet werden muss. Eine solche Insel hält ca. 30 Jahre, bis sie dann ersetzt wird. Auf diesen Inseln befinden sich mehrere ebenfalls aus Schilf gebaute Hütten, in denen die Familien leben; es gibt heute über Solarzellen Strom und Fernseher, und natürlich Motorboote. Die Inseln sind mit Ankern befestigt, so dass sie nicht wegtreiben können. Viele Uros sind bereits aufs Festland umgesiedelt, besonders die älteren, die durch die dauernde Feuchtigkeit auf dem See von Gicht und Rheuma geplagt werden. Das Schilf ist sogar essbar, wenn es geschält wurde; es ist sehr saftig, schmeckt aber im Wesentlichen nach nichts. Nach der Demonstration, wie die Inseln gebaut werden, bekommen wir noch eine kleine Folkloreshow zu sehen, während der die Uros neben ihren eigenen Liedern auch überflüssigerweise deutsche, englische und französische Lieder singen, so dass wir das zweifelhafte Vergnügen haben, „Alle meine Entchen“ hören zu dürfen – ein in meinen Augen überflüssiger und etwas erniedrigender Programmpunkt einer Show a la Disney-Land, aber besonders den Älteren aus der Gruppe gefällt es.

Mit einem zweistöckigen Ruderboot fahren wir auf eine zweite Insel, auf der wir dann ein paar Souvenirs kaufen und einen kleinen Aussichtsturm besteigen können, und nach ein paar Stunden geht es dann wieder mit unserem Boot zurück zum Hafen von Puno, und wir schlendern mit Rita über den Markt in Richtung unseres Hotels. Auf dem Markt gibt es wieder nahezu alles zu kaufen – von Lebensmitteln über lebendes Geflügel und Meerschweinchen, Fleisch, Obst, zu Kartoffeln in nahezu jeder vorstellbaren Form.

Im Hotel angekommen, freue ich mich schon auf das Mittagessen: Aus der Gruppe haben immerhin 13 Leute ein Meerschweinchen bestellt. Margot hält uns zwar alle für verrückt, und verspricht, mit denen, die ein Schweinchen essen, kein Wort mehr zu sprechen, aber ich hoffe, dass sie ihre Drohung nicht wahrmachen wird.
Und dann ist es soweit: Das Meerschweinchen wird serviert. Es wurde am Bauch aufgeschnitten und dann quasi aufgeklappt frittiert, und mit Kopf und Pfötchen serviert. Dazu gab es (wie immer zerkochtes und fades) Gemüse und Kartoffel-Klöße.

Tja – was soll ich sagen: Das Meerschweinchen enthält wesentlich weniger Fleisch als jedes Brathähnchen, und es schmeckt ein wenig nach nichts, und ein wenig nach einer Mischung aus Huhn und Schwein, also relativ unspektakulär. Aber ich gestehe: Etwas Überwindung kostet es schon, das Tier zu essen, insbesondere auch, weil es eben komplett und durchaus noch als Meerschweinchen erkennbar auf dem Teller landete. Allen Meerschweinchenbesitzern zum Trost: Es wird nicht meine Lieblingsspeise werden!

Meerschweinchen

Unser Mittag: Frittiertes Meerschweinchen

Nachmittags haben wir Freizeit. Einige aus der Gruppe wollen nochmal zum See, andere über den Markt schlendern. Jens, Thorsten und ich wollen aber zu einem riesigen Stahl-Kondor, der auf einer Anhöhe über der Stadt errichtet ist, und von dem aus man einen wunderschönen Blick über die Stadt und den See haben soll. Einziges Problem dabei: Rita hat uns davon abgeraten, dahin zu gehen, da dort oben etwas zwielichtiges Publikum herumlungern soll: Halbstarke Jugendliche und Drogendealer. Aber da der Weg dort hinauf sehr gut einzusehen ist, und wir drei nicht gerade die Schmächtigsten sind, glauben wir, dass uns keine Gefahr droht, und wir zur Not rechtzeitig umkehren können. Vorsichtshalber nehme ich kein Geld und nur meine kleine Kamera mit; man kann ja nie wissen.
Auf dem Weg zum Kondor biegen wir einmal falsch ab und landen bei einem anderen Denkmal, einem Inka-Häuptling, der auf einer anderen Anhöhe, aber etwas niedriger als der Kondor, über die Stadt wacht. Der Blick ist von hier aus schon so beeindruckend, dass wir trotz der Wärme, der Höhenluft und der zahlreichen Treppen, die uns erwarten, auf jeden Fall zum Kondor wollen.

Der Anstieg darauf führt über eine ellenlange Treppe, auf deren Absätzen immer wieder Bänke stehen – und wir nehmen sie immer öfter in Anspruch, da wir immer kurzatmiger werden. Und dann haben wir unser Ziel erreicht: 4016 m über dem Meeresspiegel stehen wir am Fuß des Kondors und schauen über die Stadt. Und wer ist mit uns dort oben? Eine alte Frau, die vor sich eine Decke ausgebreitet hat und Getränke und Süßigkeiten verkauft, sowie ein Wachmann, der hier patrouilliert. Und wenige Minuten, nachdem wir dort oben ankamen, kommt noch ein Polizeiauto mit zwei Insassen vorbei und hält kurz an; wir sind also 3 Sicherheitsmenschen, 1 Einwohnerin und 3 Touristen dort oben – unsicher fühlen wir uns jedenfalls bei dieser Zusammensetzung nicht…

Puno Panorama

Panorama von Puno

Auf dem Rückweg gibt es in der Fußgängerzone von Puno in einem sehr netten Café noch einen Café con Leche, und danach gehen wir ins Hotel zurück.

Nach einem kurzen Nickerchen gibt’s Abendessen: Eine Hühner-Nudelsuppe, danach Rindfleisch mit Reis, und zum Nachtisch zwei Obststückchen.

Drei unserer Mitreisenden sind auf dem Markt fast einer Diebesbande zum Opfer gefallen: Margot, Gerda und wenige Minuten später Friedrich wurden in der Nähe des Marktes mit Farbe bespritzt, und ein Fremder bot ihnen an, mit einem Tuch die Farbe, die ihnen als Vogeldreck verkauft wurde, abzuwischen. Aber alle drei waren geistesgegenwärtig genug, sich darauf nicht einzulassen. Leider ist die Farbe so echt, dass sie sich nicht mehr raus waschen lässt, aber immerhin sind die Wertsachen nicht weggekommen.

Tag 8, 8. April 2010, Donnerstag: Von Puno nach La Paz