Die Zimmer in dem Hotel waren sehr ordentlich und nett, besonders die funktionierende Dusche war nach dem vor sich hin tröpfelnden Ding in Puno toll. Wecken ist um 7 Uhr, Frühstück gibt es ab 8 Uhr. Das Frühstücksbuffet ist eher spärlich, es gibt nur verschiedenes Brot, Butter, und Marmelade, sowie ein wenig Rührei, aber keine Wurst o.ä.

Um 8.30 Uhr treffen wir uns mit Roberto, unserem bolivianischen Führer, der uns gestern schon durch Tiahuanaco geführt hat. Heute zeigt er uns die Innenstadt von La Paz, während Rita organisatorische Dinge zu erledigen hat. Die Führung selbst war etwas anstrengend, weil Roberto die Gruppe nicht „im Griff“ hatte, und wir deshalb an Wechselstuben und vor Läden auf Einzelne aus der Gruppe warten müssen – eigentlich ein Unding, und keine dieser Besorgungen sind so dringend, dass man die nicht auch nach der Führung hätte erledigen können, aber gut.

Was Thorsten und ich gestern Abend schon gesehen haben, bestätigt sich auch heute tagsüber: La Paz ist eine sehr sympathische und quirlige Stadt, in der es viel zu sehen gibt. Von einem Aussichtspunkt, den wir bei sengender Sonne erklimmen, haben wir einen sehr schönen Blick über La Paz und den Hausberg Illimani. Zum Schluss der Führung kommen wir zum Hexenmarkt von La Paz, auf dem alte Frauen, die sich als Hexen bezeichnen, alles verkaufen, was einigermaßen anrüchig ist: Potenzmittel und Cocatee, aber auch mit Hexensprüchen versehene Anhänger, Figuren und Wanddeko, die Glück bringen sollen, sowie getrocknete Lama-Föten, die, eingemauert in die 4 Eckpfeiler eines Hauses, Glück bringen und Unheil fernhalten sollen.
Ich kaufe mir hier ein Andenkreuz für die Wand, welches aber leider auf dem Rückflug zerbricht.

Zum Mittagessen gibt es ein Chicken-Sandwich mit Salat, welches Thorsten und ich nach der Führung in einem sehr leckeren kleinen Restaurant abseits der Hauptstraße essen.

Wie schon in Cusco sieht man hier auch wieder sehr viel Militär und Touristenpolizei auf den Straßen, so dass ich mich hier nicht unsicherer fühle als daheim in Hamburg.

Auffällig in La Paz sind die Schuhputzer – nicht, weil es sie nicht auch in anderen Städten an jeder Ecke gäbe, sondern weil sie hier mit Skimützen, die sie über ihr Gesicht gezogen haben, vermummt sind. Es bleibt meist nur ein kleiner Sehschlitz, durch den die Jugendlichen und Kinder schauen können, mehr nicht. Laut Roberto vermummen sich die Schuhputzer aus verschiedenen Gründen: Einerseits, um sich vor den Abgasen zu schützen, andererseits aber auch, um nicht erkannt zu werden, denn die meisten Schuhputzer sind Schulschwänzer, und auch, damit man nicht deren weit aufgerissenen Pupillen erkennt, die sie vom Klebstoff schnüffeln haben.

Am Nachmittag haben wir ein wenig Freizeit, und ich schaue mal nach Schuhen – und bin begeistert: Turnschuhe, die in Deutschland 100 bis 150 EUR kosten würden, gibt es hier für umgerechnet 50 bis 60 EUR. Einziger Haken: Es gibt hier nur Schuhe bis Größe 44 zu kaufen. Mit meinen Füßen Größe 46 habe ich keine Chance. Schade…

Thorsten und ich machen es uns nachmittags noch auf der Plaza Murillo bequem, und sitzen dort auf einer Bank. Neben dem Parlamentsgebäude und dem Präsidentenpalast liegt dort auch die erst 1988 endgültig fertiggestellte Kathedrale. Auf dem Platz steht die Statue von Pedro Murillo, der hier 1810 von den Royalisten gehängt wurde. Plötzlich findet der Fahnenappell statt und die Bloivianische Fahne wird von der Nationalgarde eingeholt. Dabei wird ein Trompetensolo gespielt, und der komplette Verkehr auf der Plaza ruht: Kein Auto fährt mehr, aber auch alle Menschen bleiben auf dem Platz stehen und halten so lange inne, bis die Fahne eingeholt wurde. Erst danach setzt sich alles wieder in Bewegung – ein spannender Moment!

La Paz Plaza Murillo

Die Plaza Murillo mit der Kathedrale von La Paz

Der für heute geplante Folkloreabend fällt aus, weil das Restaurant, in dem der Abend stattfinden soll, Ruhetag hat, und ein anderes Restaurant erst um 22 Uhr mit der Folklore beginnt. Rita will aber versuchen, den Folkloreabend in Sucre nachzuholen.

Zum Abendessen gibt es ein Steak mit Pfeffersauce, Salat und Pommes, für 32 Bolivianos (umgerechnet 3,20 EUR!), dazu eine halbe Flasche bolivianischen Rotwein („Campus de Solana“).

Tag 10, 10. April 2010, Samstag: Von La Paz nach Potosi