Mittwoch, 03.08.2005

Zum letzten Mal auf dieser Reise müssen wir unsere Koffer packen. Um 7:20 stehen wir auf, und um 8 Uhr frühstücken wir mit Brot, Marmelade, Obst und Rührei.

Unseren letzten Tag beginnen wir mit der Guaracharo-Höhle.

Ein gewaltiger Guaracharo-Vogel im Ortskern von Caripe. Diese Statue wurde zu Ehren des Vogels, der in einer Höhle unweit von Caripe lebt, erbaut.

Diese Höhle ist ca. 10.000 Meter lang und führt fast waagerecht in den Berg hinein. In der Tropfsteinhöhle sehen wir die für diese Höhlen üblichen Stalaktiten und Stalagmiten. Für die Ureinwohner war diese Höhle eine Begräbnisstätte und die Heimat der Geister der Verstorbenen.

Ihren Namen erhielt die Höhle, die als erster von Alexander von Humboldt komplett erforscht wurde, wegen der Fettschwalm-Vögel, die hier Guaracharos genannt werden. Sie haben eine Spannweite von bis zu einem Meter. Bis zu 10 Tausend Paare dieser Tiere nisten in dieser Höhle.

Drei Genies: Alexander von Humboldt, Frank und ich.

Diese Vögel sind nachtaktiv, das heißt tagsüber schlafen sie in der Höhle und erst am frühen Abend fliegen sie heraus und suchen Nahrung, nämlich Nüsse, Beeren, aber keine Insekten oder andere Tiere.

Jedes Pärchen bekommt zwei bis drei Junge, aber es überlebt jeweils nur der Stärkste eines Geleges. Die schwächeren Geschwister werden aus dem Nest geschubst. Wenn sie nicht schon beim Aufprall sterben oder in dem Bach, der durch die Höhle fließt, ertrinken, sterben sie nach einem Tag an Nahrungsmangel.

In der Höhle selbst ist es bereits nach wenigen hundert Metern stockfinster. 900 m tief ist die Stelle, bis zu der unsere Führung verläuft. Die Wege in dieser Höhle sind aber trotz der Dunkelheit kaum gesichert, und als Beleuchtung dienen uns nur zwei Führer, die kleine funzelige Gaslaternen mit sich tragen.

Auf dem Boden selbst ist eine Masse aus Vogelkot und Federn. Außerdem sehen wir hier und da neben und auf dem Weg einige kleine Guaracharos sitzen, die aus dem Nest gestoßen wurden.

Die Nüsse und Hülsenfrüchte, die die Vögel fressen und hier mit dem Kot wieder ausscheiden, keimen dennoch, wenn sie auf dem Boden liegen. Wegen des fehlenden Sonnenlichts können sie aber kein oder nur wenig Chlorophyll entwickeln, so dass die Keime, die bis zu 60 Zentimeter hoch werden, weiß-gelblich aussehen.

An Tieren gibt es in der Höhle ein paar Spinnen, Grillen und Ratten, die alle in dieser ständigen Dunkelheit leben und sich von den Abfällen und Kadavern der Vögel ernähren.

In der Höhle herrscht ein Höllenlärm, der von den Vögeln verursacht wird. Ein Mix aus dem Geschrei und dem Geschnaltze, mit dem sich die Tiere im Dunkeln orientieren, wurde sogar von Alfred Hitchcock aufgenommen und als Vertonung für seinen Klassiker „Die Vögel“ verwendet.

Zum Abschluss der Rundreise besuchen wir noch den ,Park Miraflores‘. Wer hier eine Grünanlage a la Bundesgartenschau erwartet hatte, musste enttäuscht sein. Es handelte sich lediglich um einen Spazierweg entlang eines kleinen Flusslaufs (der gleichzeitig als Naturfreibad für die Einheimischen diente), an dem die verschiedenen Nutzpflanzen des Landes wie Kaffee und Kakao wachsen. Nach einer Stunde auf dem Naturlehrpfad gibt es in dem kleinen Restaurant noch ein letztes gemeinsames Mittagessen. Zur Auswahl stehen diesmal Hühnchen mit einer Art Pommes und Suppe. Das Hühnchen war wirklich sehr gut, allerdings sollte man den Blick in die offen angrenzende Küche lieber vermeiden.

Hier endet auch unsere Rundreise durch Venezuela. Nigel bringt uns mit seinem Bus nun mit einem kurzen Zwischenstopp nach Cumana, von wo aus wir (leider sehr verspätet) auf die Isla Margarita fliegen. Diejenigen aus unserer Reisegruppe, die nicht im Hesperia untergebracht sind (das sind nur 6 von 17), fliegen um 17:45 Uhr los. Unser Flug soll um 18:30 starten, aber wegen einer Verspätung können wir erst um 19:45 abheben und sind um 20.10 Uhr in Porlamar. Die Wartezeit auf dem Flughafen verbringen wir damit, dass wir auf und ablaufen, rumsitzen, und den Putzfrauen dabei zusehen, wie sie unermüdlich immer und immer wieder ihre Runden drehen und dabei immer denselben Dreckhaufen vor sich und ihrem Wischer herschieben.

In Porlamar erwartet uns schon ein Kleinbus, der uns zu unserem Hotel Hesperia Playa el Agua bringt.

Wir sind so gegen 21 Uhr im Hotel und bringen nach dem Einchecken nur schnell unsere Koffer ins Zimmer, bevor wir zum Abendessen gehen. Das Buffet hat zum Glück bis 22.30 Uhr geöffnet, so dass wir in aller Ruhe Abendessen können. Da es auf dem Flughafen von Cumana außer einigen Kartoffelchips nichts zu essen gab, haben wir auch einigermaßen Hunger.

Donnerstag, 04.08.2005 bis Dienstag, 09.08.2005

Jetzt beginnt der erholsame Teil des Urlaubs. Wir liegen die nächsten 7 Tage am Strand, wo wir fast immer Glück haben und eine Liege unter den Sonnendächern erwischen. Und irgendwie gehören die fliegenden Händler am Strand ja auch dazu; immerhin kann man sich hier mit einem kompletten Hausstand eindecken (allerdings sind 30 Händler in 20 Minuten dann doch etwas viel). Trotzdem: an der Strandbar genießen wir den einen oder anderen Cocktail, und während und nach dem Essen treffen wir fast jeden Abend jemanden aus unserer Gruppe am Pool, wo wir dann auch bei leckeren Cocktails die Abende ausklingen lassen.

Das Hotel gefällt uns sehr gut. Das Essen ist abwechslungsreich, das Zimmer angenehm groß und sauber – und wir haben sogar warmes Wasser, zum ersten Mal nach 6 Tagen ein wahrer Luxus!

Angenehmer Luxus unter Palmen: Der Poolbereich des Hesperia Playa el Agua.

Das Hotel selbst ist nur am Wochenende ein wenig voller, wenn die Venezolaner ihr Wochenende auf der Insel verbringen, aber in der Woche recht angenehm gefüllt.

In der Mehrzahl sind die Gäste dann auch Einheimische, zahlenmäßig gefolgt von den Deutschen und Österreichern, Holländern und Briten.

Dieter ist auch in unserem Hotel untergebracht, aber ihn sehen wir nur, wie er Tag für Tag auf „seiner“ Liege am Pool liegt, und abends an „seinem“ Tisch isst und danach auf „seinem“ Stuhl am Pool sitzt. Wir vermuten irgendwann, dass er ein Spion von Thomas Cook ist, der nur die Qualität der Reise bewerten soll, aber keinen Kontakt mit den Gästen haben darf.

Während dieser Woche haben wir sogar die Hochzeit eines englischen Paares miterleben dürfen. Die Familie selbst erinnerte ganz stark an die britische Ausgabe von den Flodders, aber irgendwann tauchte die ganze Familie im besten Dress und mit Plastik-Brautstrauß auf, um sich auf der Wiese hinter dem Hotel das Ja-Wort zu geben. Das Hochzeitsmahl fand dann im Selbstbedienungsrestaurant der Anlage statt, und direkt nach dem Essen entledigte sich der Bräutigam wieder seines Anzugs und stieg in die Trainingshose und das Schlabber-T-Shirt. Auch so kann man Hochzeit feiern!

Simone und ich haben während des Urlaubs auch was zu feiern, und zwar unsere Geburtstage. Am Abend des 6. August sitzt unsere ganze Gruppe (mit Ausnahme von Dieter, natürlich) am Swimmingpool und um Mitternacht stoßen alle mit den Cocktails an und singen mir ein kleines Ständchen. SO lasse ich mir meinen Geburtstag gefallen!

Am Vorabend von Simones Geburtstag gehen wir in die Disco, die ein paar hundert Meter neben dem Hotel liegt. Auch dort werden wir wieder von den günstigen Getränkepreisen überrascht: Der Eintritt ist frei, und ein Bier kostet dort 2000 Bolivares, also 0,80 €. Wir singen Simone dort ein kleines Ständchen, und nach ein paar Getränken gehen wir wieder ins Hotel zurück.

10. bis 11. August 2005 und das Ende der Reise