Dienstag, 26.07.2005

Endlich geht es los: Die letzten Vorbereitungen für die Reise nach Venezuela laufen. Nach einem gemütlichen Frühstück packe ich die letzen Sachen zusammen, mache noch ein wenig „klar Schiff“ in der Wohnung und stelle alle Blumen in der Küche und im Wohnzimmer, damit Kirsten es bei der Pflege nicht ganz so kompliziert hat.

Dann mache ich mich, wegen der großen Tasche mit dem Taxi, auf zum Bahnhof; um 12:46 Uhr geht der ,Zug-zum-Flug‘ nach Frankfurt. Natürlich nicht direkt, denn Frank steigt in Münster zu. Leider ist die Klimaanlage kaputt. Der Zugchef versucht zwar, indem der die Türen zu den Einstiegstürbereichen offenstehen lässt, ein wenig Frischluft in den Waggon zu bekommen, aber wirklich viel bringt das nicht. Da ist der Becher Selters, der verteilt wird, schon erfrischender.

Und die Fahrt fängt schon gut an: Der Zug ist pünktlich um 15:02 Uhr in Münster. Damit haben wir gute Chancen, dass wir in Dortmund den ICE erwischen, obwohl wir nur 4 Minuten Zeit zum Umsteigen haben. Und siehe da – es klappt. Jetzt zeigt sich auch, was auf der Platzreservierung mit „Panorama-Abteil“ gemeint ist: Wir sitzen ganz am Ende des Zuges, nur durch eine Glasscheibe vom Führerhaus getrennt.

In Köln wird es noch besser: Der Zug wechselt die Fahrtrichtung, so dass wir jetzt direkt hinter dem Lokführer auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Richtung Frankfurt Flughafen düsen und uns einen Kaffee für 2,60 EUR schmecken lassen.

In Frankfurt angekommen, geht es gleich zum Check-In-Schalter der Condor, und nach ca. 20 Minuten haben wir dann unser Gepäck aufgegeben und unsere Plätze sicher. Die Überraschung: Die Condor-Angestellte meint, der Flug sei mit 32 Personen überbucht. Aha!

Nachdem aber bei uns alles geklappt hat, geht es weiter zu Petra und „Ihrem“ Griechen zum Essen – sehr lecker!

Mittwoch, 27.07.2005

Um 7:30 Uhr geht es mit Miss Marple (meinem Handy-Weckton) zusammen hoch, dann gibt es erstmal leckeres Frühstück bei Petra. Nach Dusche und Sachen zusammenräumen geht es dann wieder mit der S-Bahn zum Flughafen und dort dank des Vorabend-Check-Ins direkt zum Gate und ins Flugzeug. Da wir noch ein Stündchen Zeit haben, gibt es dort für 5,40 EUR zwei Kaffee, ein echtes Schnäppchen also!

Da mir mein Hausarzt empfahl, Thrombose-Strümpfe zu tragen, zwänge ich mich jetzt in diese Dinger rein. Zum Glück gab es welche in blau zu kaufen, und nicht nur in dem Alte-Oma-Beige.

Aber dann ist es soweit, wir steigen ins Flugzeug ein. Unsere Plätze in der Reihe 14 sind tatsächlich sehr gut, nur der Blick auf die Monitore ist etwas ungünstig, aber man kann ja nicht an alles denken :-).

Der Flug selbst ist dann sehr angenehm. Als Unterhaltungsfilm gibt es den Date Doctor, IRobot, und einen (zugegeben grottenschlechten) Film mit Jennifer Latifah. Naja. Aber dafür ist das Essen sehr lecker und die Stewardessen (nur Frauen – Frechheit!) versorgen uns ständig mit Getränken usw.

Und dann beginnt der Landeanflug auf Tobago, eine kleine Insel kurz vor der Küste von Venezuela. Kurz vor der Landung, mitten im Landeanflug, macht der Pilot eine Durchsage, dass links von uns eine Windhose – also ein kleiner Tornado – zu sehen sei; sehr beeindruckend, aber leider ist mein Fotoapparat im Gepäckfach, und wir sind schon angeschnallt.

In Tobago gelandet, können wir nicht gleich unsere Parkposition einnehmen, weil wir dann quer zur Start- und Landebahn stünden und unsere Turbinen dann ein anderes kleines Flugzeug von der Landebahn pusten würden.

Auf der Parkposition angekommen, steigen ein paar Passagiere aus und Rückreisende wieder ein. Ein Glück, dass die Dame, die hinter uns saß, auch aussteigt: Sie hatte Ihre Sitznachbarin während des gesamten Fluges fast ununterbrochen vollgequatscht. Deswegen waren wir auch im Bilde: Sie war eine alternde Spanischlehrerin mit Freunden in Venezuela, jedes Jahr für mehrere Wochen dort… Alles klar!?

Die Frau, die aussteigt, hat ihrer Sitznachbarin noch einen Zettel gegeben, den diese an einen Frank weitergeben soll, der hier in Tobago einsteigt. Frank wurde genauestens beschrieben, und tatsächlich steigt Frank ein und fortan haben wir das Gespräch der beiden im Ohr.

Für uns geht es aber noch eine knappe Stunde weiter nach Porlamar. Auf diesem kleinen Zwischenstück gibt es nur noch ein kleines Getränk, und dann beginnt schon wieder der Landeanflug.

Beim Ausstieg über die Gangway in Porlamar trifft uns erstmal der Hitzeschock: Es ist warm!!! Sogar sehr. Wir sind entschieden falsch angezogen. Aber in Deutschland ist nur auf dem Kalender Sommer.

Im Flughafengebäude werden wir zunächst oberflächlich abgetastet und dann kommt die Passkontrolle. Der Kontrolleur macht einen wichtigen Eindruck, aber auf der Reise werden wir relativ schnell lernen, dass es oft eben nur darum geht: bei Kontrollen möglichst wichtig aussehen, ohne wirklich was zu kontrollieren!

Anschließend holen wir unsere Taschen vom Gepäckband. Beim Ausgang wird unser Gepäck – warum eigentlich? – nochmal durchleuchtet.

Endlich haben wir es geschafft: Genio, unser Reiseleiter, empfängt uns, drückt uns einen Zettel mit Informationen in die Hand und schickt uns zu unserem Bus, der uns dann in die Stadt bringen soll.

Waren- und Personentransport auf Porlamar

Wir sind die ersten am Bus. So nach und nach trudeln auch die anderen Mitreisenden ein (unter anderem auch Dieter, bei dem wir zunächst glauben, dass er auch aus der Community kommt. Später stellt sich aber heraus, dass er der absolute Einzelgänger ist und wohl eine Freundin hat) und die Fahrt nach Porlamar kann losgehen.

Die ersten Eindrücke von Porlamar sind zwiespältig. Einerseits ist alles aufregend, weil alles neu und unbekannt ist, andererseits sehen wir jetzt schon, dass die Leute hier sehr einfach leben. Am Straßenrand stehen viele halbfertig gebaute Häuser, daneben gibt es viel Brachland.

Während der 20-minütigen Fahrt erklärte uns Genio, wie es an diesem Abend weitergeht: wir könnten in unserem Hotel „La Perla“ erstmal ein wenig Geld tauschen und würden uns anschließend zum Vorgespräch in der Hotellobby treffen.

Ich tausche bei dem Geldwechsler 100 EUR gegen 255.000 Bolivares, sowie 50 US$ gegen 108.000 Bolivares. Das Hotel soll 4 **** haben. Es ist schon ein paar Jährchen alt, aber immerhin sauber, und unser Zimmer liegt im neunten Stock, wir haben also einen schönen Blick über Porlamar.

Aber vor der Besprechung müssen wir noch einen Geldautomaten finden, denn Genio schlägt umgerechnet ca. 150 US$ pro Person als Bargeld für die eine Woche vor, soviel Bargeld haben wir aber nicht mit.

Aber zum Glück sind gleich drei Banken in der Nähe. Genio meint, dass wir schnell sein müssten, aber warum? Die Geldautomaten sind direkt in der Nähe, wir haben also alle Zeit der Welt?

Blick über das nächtliche Porlamar

Als wir dann an den Geldautomaten ankommen, merken wir, was er mit ,schnell‘ gemeint hat: Man hat für jeden Schritt am Geldautomaten nur zwei oder drei Sekunden Zeit – macht man in der Zeit keine Eingabe, bricht der Automat den Vorgang ab und man muss wieder von vorne anfangen – mit unseren Spanischkenntnissen eine echte Herausforderung!

Zum Glück „kann“ der Geldautomat der letzten Bank englisch. Da klappt es dann auch endlich mit dem Geldabheben.

Also, wieder zurück ins Hotel und ab zum Treffen, wo wir zum ersten Mal alle Reiseteilnehmer, also auch die, die schon ein paar Tage vorher angereist waren, sehen. Die ersten beiden, die wir kennenlernen, sind Birgit und Heinz aus Oyten bei Bremen (Wir kommen aus einem kleinen Ort bei Bremen, den ihr bestimmt nicht kennt.“ – Ach was.). Lustig: Ich habe den gleichen Nachnamen, aber wir sind nicht verwandt und nicht verschwägert.

Ungewöhnlich für uns ist, dass es jetzt (19:00 Uhr) schon dunkel ist. Aber die Dämmerung setzte schon um kurz nach 18:00 Uhr ein, und um kurz vor 19 Uhr war es dann dunkel.

Jetzt ist es aber Zeit, dass Genio uns bei Cuba Libre (der erste in einer Langen Reihe Cuba Libre (oder heißt es Libres oder gar Libretti in der Mehrzahl?) während des Urlaubs…) ein paar Infos gibt. Am wichtigsten (und am ungewöhnlichsten) ist wohl, dass das benutzte Toilettenpapier in ganz Venezuela wegen des geringen Wasserdrucks und der engen Abflussleitungen in einen Eimer neben der Toilette geworfen wird und nicht in der Toilette landet. In Deutschland stand quasi in jedem Reiseführer, dass man höllisch auf die Eiswürfel in den Getränken achten soll, und immer nur verschlossene Wasserflaschen trinken soll, denn das Leitungswasser ist kein Trinkwasser. Aber unser Reiseleiter meint, dass die Eiswürfel schon seit Jahren industriell hergestellt werden. Und gleich die erste Flasche Wasser, die wir in Venezuela bekommen, ist schon geöffnet. Naja, wird schon gutgehen.

Wir sind jetzt seit ca. 18 Stunden wach, und entsprechend fühlen wir uns auch! Deswegen duschen wir uns nur noch schnell ab und räumen das Gepäck um, denn auf die Rundreise dürfen wir nur 10 kg mitnehmen, der Rest bleibt hier auf der Insel und wird eingelagert.

28. und 29.Juli 2005: Camp Canaima, Brasilien und San Francisco